Mad Men and Women

In der Reihe „booklet“ gibt der diaphanes Verlag einem beliebten Format der Popkultur Raum: den Fernsehserien, deren Bedeutung in mancher Deutung bereits die des Kinos übertrifft. Und tatsächlich machen sie süchtig und werden auch als moderne Epen bezeichnet. Serien wie „Seinfeld“, „Breaking Bad“, „Sex and the City“ und viele andere wurden in der Reihe bereits aus medienwissenschaftlicher Perspektive besprochen. Im neuesten Band geht die Amerikanistin Elisabeth Bronfen der Suche nach dem Amerikanischen Traum in der Serie „Mad Men“ nach. Die Analyse geht dabei quer durch alle sieben Staffeln der inzwischen beendeten Serie rund um eine Werbeagentur in der New Yorker Madison Avenue der 1960er Jahre. Einer, wie der Titel schon klar macht, männlich dominierten Welt. Doch es gibt auch weibliche Figuren, die um ihren Platz in dieser Welt kämpfen, und die Darstellung des sog. Geschlechterkampfs wird auch unter die Lupe genommen. Die beiden Hauptfiguren Peggy und Joan verfolgen dabei sehr unterschiedliche Strategien, die, wie Bronfen an ausgewählten Szenen zeigt, oft gleichermaßen an den patriarchalen Strukturen zerschellen. Gender ist aber nur ein Aspekt unter vielen, die genannt werden, wie etwa Fragen nach der Darstellung von Klassenverhältnissen oder rassistischen Strukturen.

Im Stil sehr wissenschaftlich, wenn auch mit sehr schmalem Quellenverzeichnis, und einiges an Vorwissen voraussetzend macht der Band wohl eher Kultur- und MedienwissenschaftlerInnen Freude als den durchschnittlichen Fans. Das sei aber weniger der Autorin angelastet, als der Ankündigung des Verlages, die Büchlein der Reihe sollten in keiner DVD-Box fehlen. Für akademisch vorgebildete Serienjunkies ein Leckerbissen. ESt

Elisabeth Bronfen: Mad Men. 160 Seiten, diaphanes, Zürich-Berlin 2016  EUR 15,37

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