Männer und Männergewalt

In 14 Beiträgen werden in diesem Sammelband Männlichkeiten aus hauptsächlich literaturwissenschaftlicher Perspektive ausgeleuchtet: Der Bogen wird gespannt von Maskulinitätsdiskursen in der Antike über Remaskulinisierung durch Waffengewalt in den USA der 1980er Jahre bis hin zur Demaskulinisierung in (selbstmitleidigen) biografischen Ich-Erzählungen zu Holocaust und Nationalsozialismus. Besonders originell sind die Analysen zu Männlichkeit der Drohnen neben weiteren Insektenmetaphern in der Literatur und die Deutung mittelalterlicher Dichtung über körperliche Gewalt als symbiotischer Mechanismus von Männerfreundschaft im Zeichen des Homosexualitätstabus. Auch die Interpretation der kolonialen Kartographierung Afrikas als Form aggressiver Männlichkeit macht interessante Perspektiven auf. Alle Aufsätze tragen auf ihre Weise dazu bei, Männlichkeit im normativ gesetzten Konzept „Mensch“ seiner unmarkierten Geschlechtslosigkeit zu entreißen. Dabei bleiben aber auch Irritationen zurück: Das profunde Vorwort beginnt mit den Silvesterübergriffen in Köln 2015 an Frauen (!), dem folgen interdisziplinäre Ausleuchtungen von Gewalt, Schmerz und Krise als Begriffe und Diskurse. Die Relationalität zu Frauen, Weiblichkeiten und gesellschaftlicher Misogynie findet anschließend aber kaum Eingang in die Reflexionen: Gewaltförmigkeit von Männlichkeitsentwürfen wird eigentümlich selten in Verbindung mit einem dualistisch formulierten gesellschaftlichen Geschlechterverhältnis gebracht, das Weibliches als Opfer jedoch häufig impliziert. meikel

Geschichte(n) von Macht und Ohnmacht. Narrative von Männlichkeit und Gewalt. Hg. von Uta Fenske und Gregor Schuhen. 314 Seiten, transcript, Bielefeld 2016 EUR 36,00

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