Meine Sprache – ein Stein

Eine spannende zweisprachige Anthologie von Gedichten deutscher und palästinensischer Dichter_innen über Identität. In der Einführung macht Amjad Nasser jedoch klar, dass es nicht um die Repräsentation von nationalen Identitäten geht, vielmehr wird poetisch Geschichte und Geschichtliches vermittelt. Kollektive Identitäten verhandeln zwischen Individuum und Geschichte. Diese theoretische Einleitung klingt durchaus schlüssig, auch wenn die künstlerische Praxis der Gedichte sich dieser Erklärung bisweilen entzieht. Der Gedichtband bewegt sich zwischen prosaischer Dichtung, konzeptuellen Gedichten, assoziativen Wortketten und wütenden Oden. Das ganze Buch ist zweisprachig verfasst, wobei es zwischen deutsch-arabisch, spanisch-arabisch und französisch-arabisch wechselt. Das Buch ist wie in der arabischen Praxis rechts gebunden. Bereits die Leseerfahrung veranlasst eine_n, den gewohnten Blickwinkeln zu verlassen. Besonders hervorheben möchte ich Dalia Tahas Gedicht „Wir sind sehr wütend“ und Amer Badrans Gedicht „Sprache“.

jaw

Ein Stein nicht umgewendet. Dichter*innen aus Palästina und Deutschland über Identität. Hg. von Asmaa Azaizeh und Ibrahim Maraska. 177 Seiten, Hans Schiler, Berlin-Tübingen 2017 EUR 20,40

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