Ménage-À-Quatre

Der deutsche Indologe Heinrich Zimmer führt privat ein Doppelleben. Er ist mit Christiane von Hofmannsthal, der Tochter des Dichters, verheiratet. Mit ihr hat er vier Söhne. Parallel zu seiner Ehe führt er eine lebenslange Liebschaft zu Mila Rauch, die zwei Söhne und eine Tochter von ihm bekommt. Mila ist mit Eugen Esslinger, einem vermögenden jüdischen Homosexuellen, verheiratet, der die Kinder von Zimmer als seine anerkennt. Alle vier wissen voneinander. Das alles spielt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von 1904 bis 1944. Die Schilderung dieser Ménage-à-quatre ist bunt und lebendig, wenn auch offen bleibt, welche Beweggründe die Figuren für ihr Handeln haben. Obwohl die Erzählung oft voller Komik und Witz sprüht, wenn leidenschaftliche Briefe oder scharfzüngige Dialoge die Handlung tragen, bieten die Figuren wenig Identifikationsflächen. Vor allem die Frauen agieren im Hintergrund. Die Erzählung erfolgt aus der Sicht der beiden Männer. Die Leserin fragt sich, wo bleibt die Problematik des homosexuellen Lebens von Eugen Esslinger? Auch die historischen Entwicklungen sind für den Fortgang der Handlung nicht entscheidend. Die Männer überleben den Ersten Weltkrieg ohne innere oder äußere Blessuren. Der Faschismus treibt die ProtagonistInnen in die Emigration, Eugen in die Schweiz, Christiane und Heinrich in die USA. Die Figuren tänzeln durch die Geschichte, leichtfüßig, unbedarft oder naiv, mit mehr oder weniger Glück. Die nacherzählte Lebensgeschichte der vier Personen, die als Roman erzählt wird, lässt einiges offen. 
Margrit Knipp
Katharina Geiser: Vierfleck oder Das Glück. Roman. 258 Seiten, Jung und Jung, Salzburg-Wien 2015 EUR 22,00

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