Nichts Persönliches

Das ist der Titel, den die Künstlerin Minnie Panis ihrer ersten Arbeit gibt, mit der ihr der Durchbruch in die große Künstlerszene gelingt. Sie verkauft alles in ihrem Besitz, bis auf ihr Bett und die notwendigste Kleidung, um zu sehen was sie ohne ihre Besitztümer ist und dokumentiert jeden Schritt. Für die Menge ein gelungenes Kunstwerk, das großen Anklang findet, für Minnie das Erste aus einer Reihe von Experimenten, die sie mit sich selbst als Versuchsobjekt durchführt. Aus verschiedenen Perspektiven begleiten wir Minnie auf der Suche nach dem Beweis für ihre eigene Existenz, die für sie schon in ihrer Kindheit beginnt – gezeichnet von „geistesabwesenden Zuständen“ und therapeutischen Behandlungen. Eher nebensächlich passieren bedeutende Dinge in ihrem Leben. Sie ziehen beinahe unbeachtet an Minnie vorbei und erwecken dadurch auch für die Leserin den Eindruck, dass sie wichtig sein könnten, die Autorin es aber vorzieht uns nicht weiter daran teilhaben zu lassen. Fast synchron zu „Nothing Personal“ gibt uns Nina Weijers diffuse Teile aus Minnies Geschichte, die sich zu einem Grundbild ohne wirklichem Abschluss zusammenfügen. Ihr Schreibstil, der wunderbar zynisch und schön zugleich ist, gibt das Gefühl, wie eine blinde Passagierin Minnie dabei zuzusehen, wie sie sich von sich selbst befreit. Der Roman berührt dadurch auf einer sehr intimen Ebene der Selbstreflexion, die sonst nur schwer zu erreichen ist und die ihn definitiv lesenswert macht. Katharina Meissner

Nina Weijers: Die Konsequenzen. Aus dem Niederl. von Helga van Beuningen. 359 Seiten, Suhrkamp, Berlin 2016 EUR 22,70

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