Regenbogenfamilie am Abgrund

In diesem Buch finden sich in Episoden unterschiedliche Stationen einer Regenbogenfamilie: vom Wunsch zum Kind, zur künstlichen Befruchtung und dem Mütter-Sein. Manche Stellen im Buch sind durchaus witzig und originell beschrieben. Zwar hat mich die merkwürdige Lieblosigkeit zwischen dem seit 22 Jahren bestehenden Frauenpaar irritiert, war doch Liebe am Einband versprochen. Auch den vielen Hetero-Sex hätte ich nicht unter dem Buchtitel erwartet, aber das mag alles Geschmacksache sein. Was ich jedoch höchst problematisch, alarmierend und völlig unakzeptabel finde, ist der systematische Alltagsrassismus in den einzelnen Anekdoten. Auf rund 20 Seiten wimmelt es von rassialisierten Stereotypen und Vorurteilen, gelacht wird u.a. über „junge männliche Flüchtlinge, die gerade die Fahrt übers Mittelmeer überlebt hatten“ und hungernde Kinder in Afrika; Türken werden als kinderreich oder in bedrohlichen Jugendgangs organisiert beschrieben; es kommen edle Wilde und Kannibalen vor; schließlich werden Lesben abrupt mit N***** (im Buch ausgeschrieben) verglichen, die „im Bus hinten sitzen“ müssen. Das Buch gipfelt in der Skizzierung einer Bürgerwehr mit bewaffneter lesbischer Sozialarbeiterin – und leider nein, es handelt sich nicht um Ironie, wenn abschließend konstatiert wird: „das Leben in Mitteleuropa hatte sich verändert, die Slums der Welt rückten näher.“

Karin Schönpflug

Henrike Lang: Bettenroulette. Episodenroman über Liebe, 2 Frauen und 1 Kind. 49 Seiten, Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 2017 EUR 12,40

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