Reproduktion von Geschlecht

Wie haben sich Vorstellungen von Geschlecht und Reproduktion im Diskurs um Präimplantationsdiagnostik (PID) in Deutschland gewandelt? Dieser Frage geht Malaika Rödel mit ihrer hier veröffentlichten Dissertation nach und leistet damit einen wichtigen Beitrag, um Prozesse der Vergeschlechtlichung und Naturalisierung in Reproduktionstechnologien in den Fokus zu rücken. Dazu verknüpft sie Konzepte von Bruno Latour und Donna Haraway mit einer empirischen Diskursanalyse von medialen Debatten der PID. Mit der Entwicklung ihres sehr gut durchdachten theoretischen Instrumentariums sucht die Autorin im ersten Teil einen Ausweg aus sich gegenüberstehenden feministischen Positionen, die Reproduktionsmedizin entweder als Befreiung aus der Unterdrückung von Frauen freudig begrüßen oder sie als Angriff auf Körper und Selbstbestimmung von Frauen verdammen. Im zweiten Teil liefert sie eine lange, deskriptive Zusammenfassung des Diskurses um PID in ausgewählten deutschen Medien von 2000 bis 2011. Zum Schluss zeigt Rödel mit Rückgriff auf andere Arbeiten aus diesem Bereich jene Ambivalenzen auf, durch die sich Reproduktionstechnologien schon immer auszeichnen: wie die Auflösung der Grenzen von Natur und Technologie mit einer Verfestigung der Kategorie Geschlecht einhergehen und wie paradoxerweise gerade die Künstlichkeit der PID die Natürlichkeit des Kinderwunsches unterstreicht. Anna Pichelstorfer

Malaika Rödel: Geschlecht im Zeitalter der Reproduktionstechnologien. Natur, Technologie und Körper im Diskurs der Präimplantationsdiagnostik. 260 Seiten, transcript Verlag, Bielefeld 2015 EUR 36,00

 

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