Die Farbe der Macht

In diesem Sammelband gibt der Orlanda-Frauenverlag zwanzig Jahre nach ihrem ersten Erscheinen die beiden Gedichtbände „Blues in schwarz-weiß“ (1997) und „Nachtgesang“ (1995) von May Ayim nun in einem Buch zusammengefasst heraus. Die 1996 mit nur 36 Jahren früh verstorbene Autorin gehört zu den bemerkenswertesten Verfasserinnen pointierter politischer Lyrik von Frauen des deutschen Sprachraumes der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre Gedichte sind pure Verhältniskritik und benennen das, was oft nicht gesagt werden soll. Sie entlarvt, wie sich Rassismus zeigt und wie er ausgeübt wird. In May Ayims Gedichten wird unermüdlich Unterdrückung und Ausgrenzung aufgedeckt und das Unrecht dabei und der Widerspruch dagegen benannt. Viele ihrer Gedichte eignen sich, um im Unterricht an Schulen und Universitäten zum Thema Migration und Rassismus eingesetzt zu werden. May Ayim war eine der Mitbegründerinnen der afrodeutschen Community, die sich in den 1980er-Jahren, nicht zuletzt ermutigt durch Audre Lorde, formierte. Als Wissenschafterin war May Ayim eine der Pionierinnen der kritischen Weißseinsforschung. Als Autorin mit überaus hoher Sprachsensibilität nahm sie das alltäglich Gesagte aufs Korn und enttarnte das darin versteckte Unrecht. May Ayims Gedichte sind heute so aktuell wie zum Zeitpunkt ihrer Entstehung. Doris Hauberger

May Ayim: Weiter Gehen. Gedichte. 240 Seiten, Orlanda Frauenverlag, Berlin 2013 EUR 20,10

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