„Frauenräume“ in der Mission Südafrikas

Im Zentrum der Publikation von Martina Gugglberger stehen die Lebensgeschichten von 23 europäischen Frauen, die in den 1950er und 1960er Jahren in den Missionsorden der Schwestern vom Kostbaren Blut eintraten, um in der heutigen südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal als Missionarinnen tätig zu sein. Damit wendet sich die Historikerin einer noch wenig wissenschaftlich aufbereiteten Thematik zu: der Bedeutung von Gender in der katholischen Mission.

Da es in Kolonialismus und Mission sowohl um territoriale als auch um kulturelle Expansion geht, wählt die Autorin eine „räumliche Lesart“ für ihre Analyse und Darstellung. Mittels narrativer Interviews, Missionszeitschriften und Ordens-Selbstdarstellungen wird der sehr unterschiedliche soziale „Herkunftsraum“ der Schwestern ausgeleuchtet. Den institutionellen Rahmen bildet für sie der „Klosterraum“, der im Einsatzort zu einem Raum des „regulierten Abenteuers“ wird. Der „Missionsraum“ Südafrika, der eigentliche „Sehnsuchtsraum“ der Missionarinnen, wird vor allem in den Außenstationen zu einem Raum der Begegnung zwischen ihnen und der lokalen Bevölkerung. Im Zentrum der erzählten Lebensgeschichten stehen eigene Tätigkeiten und Leistungen der Schwestern, präsentiert in der Weise von „Bildungs- und Entwicklungsgeschichten“. Das Apartheidsystem selbst und lokale AkteurInnen nehmen leider nur einen geringen Raum ein. LeserInnen erhalten so zwar einen wesentlichen Einblick in die Lebens- und Erfahrungswelten von Missionsschwestern über eine große Zeitspanne hinweg, werden wohl aber doch auch „die andere Seite“ der Geschichte vermissen. Ingeborg Grau

Martina Gugglberger: Reguliertes Abenteuer. Missionarinnen in Südafrika nach 1945. 276 Seiten, böhlau Verlag, Wien-Köln-Weimar 2014  EUR 34,90

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