Heimatlos

In 14 Erzählungen lässt uns Ilma Rakusa am Schicksal von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen teilhaben. Sie alle haben eines gemeinsam: sie sind Heimatlose, vom Leben Gezeichnete, NomadInnen auf der Suche nach ein wenig Glück und Geborgenheit. Trotz des melancholischen Grundtenors der Geschichten blitzt immer wieder Hoffnung auf, gibt es Augenblicke des Glücks und der Schönheit. Da ist Misi mit der zerschossenen Schulter, der gegen den Schmerz, die Einsamkeit und das Kriegstrauma raucht oder Lou, die sich selbst und alle anderen hasst, weil sie glaubt, am Tod ihrer Schwester schuld zu sein und Marja, die leidenschaftlich gerne kocht und erst in der Fremde die Wahrheit über Stalin und seine Schergen erfährt. Rakusa beschreibt die Menschen, auf die sie trifft, mit großer Leidenschaft und Sensibilität. Sie jongliert mit der Sprache, setzt Metaphern ein und wechselt immer wieder von knappen, präzisen Sequenzen zu ausführlichen Beschreibungen. So gelingt es ihr, das Auf und Ab der Stimmungen mit unglaublicher Intensität einzufangen. Bruchstückhaft webt sie politische Ereignisse in ihre Geschichten ein, Gedanken über das Meer, über Musik, Literatur. Ein außergewöhnliches Buch, das betrifft, nachdenklich macht und doch Raum für Hoffnung lässt.  Sabine Stemberger

Ilma Rakusa: Einsamkeit mit rollendem „r“. Erzählungen. 160 Seiten, Literaturverlag Droschl, Graz und Wien 2014 EUR 18,00

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