Queere Leerstelle Mutterschaft?

Wie kaum ein anderes ist das Feld von Mutterschaft als konkreter Fähigkeit und Tätigkeit sowie von Mütterlichkeit als komplexer Chiffre gesellschaftlich umstritten. Der Sammelband stellt eingangs zweierlei fest: Zum einen sind Mutterschaft und Mütterlichkeit insbesondere im deutschsprachigen Feminismus traditionell keine ausgeprägten Analysefelder, zum anderen bleiben sie auch in der Queertheorie unterbeleuchtet. Die Herausgeberinnen möchten ihren Beitrag dazu leisten, diese Leerstellen zu füllen – von der Genese des naturalisierten Mutterbildes zur heutigen Anforderung an Frauen, Lohnarbeit (die so genannte Karriere) und Mutterschaft zu vereinbaren. Mutterschaft als Folie für entgrenzte Arbeitsverhältnisse im Neoliberalismus. Auslagerung von Reproduktionsarbeit, die keine „Quality Time“ darstellt, an schlecht bezahlte (migrantische) andere Frauen. Transnationale Mutterschaft von Arbeitsmigrantinnen – die Mutter als abwesende Familienernährerin. Fortschreibung des schlechten Images der kinderlosen Frau. Kollektive Kinderversorgung in den Frauenwohngemeinschaften der 1970er Jahre. Die Bedeutung von Mütterlichkeit für Schwarze Frauen aufgrund der besonderen Gefährdung von Schwarzem Leben. Trans*/Queere Pflegeelternschaft. Abwertung von Mütterlichkeit gegenüber der „neuen Väterlichkeit“. Bis hin zu psychoanalytischen Betrachtungen von weiterhin ödipal bleibenden postödipalen Familienstrukturen. Fazit: Durchaus lesenswerte Schlaglichter aus verschiedenen Blickwinkeln. Renate Nahar

O Mother, Where Art Thou? (Queer-)Feministische Perspektiven auf Mutterschaft und Mütterlichkeit. Hg. von Maya Dolderer, annah Holme, Claudia Jerzak und Ann- Madeleine Tietge. 217 Seiten, Westfälisches Dampfboot, Münster 2016 EUR 24,90

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