Zwischen Ignoranz und Rebellion

Der Debütroman von Verena Boos handelt von der jungen, unbedarften Spanierin Maite, die zwecks Studierens nach München geht. Dort lernt sie Carlos kennen, der sie herzlich in seiner Familie aufnimmt. Carlos Großvater Antonio, der Gemüsehändler, wird für sie ein wichtiger Gesprächspartner, weil er ihr Interesse an Geschichte weckt. Er hat als Republikaner am Spanischen Bürgerkrieg teilgenommen und konnte schließlich als Zwangsarbeiter in Bayern sein Leben vor der Verfolgung retten, während viele vormalige SpanienkämpferInnen in Konzentrationslagern ermordet wurden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war eine Rückkehr nach Spanien für ihn aufgrund der Franco Militärdiktatur nicht möglich. Für Maite beginnt eine intensive Beschäftigung mit der fragwürdigen Geschichte ihres eigenen Vater, sie muss erkennen, dass er kein Unbeteiligter im Zweiten Weltkrieg war. Als überzeugter Faschist ließ er sich wie zahlreiche andere spanische Nationalisten zu einer aktiven Beteiligung als Soldat am Russlandfeldzug für die aggressive Eroberungspolitik der Nationalsozialisten gegen die Rote Armee bewegen. Später arbeitete er in der Guardia Civil. Die Geschichte ist spannend aufbereitet, auch wenn am Anfang die Zeitsprünge Verwirrung schaffen und zu viele Personen auftauchen, die erst mit der Zeit an Kontur gewinnen. Der Roman zeigt, dass für viele das Verdrängen zur Lebenstaktik wurde. Dennoch ist manches zu sehr einer Schwarz-Weiß-Sichtweise unterworfen. ML
Verena Boos: Blutorangen. Roman. 411 Seiten, Aufbau-Verlag, Berlin 2015 
EUR 20,60

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