Fuck the boundaries

Liebe ist der Plan fasst 18 Erzählungen Alice B. Sheldons aus den 1960er Jahren zusammen, die unter dem Pseudonym James Tipree Jr. erstmals erschienen. Obwohl als zweiter Band der siebenteiligen Werkausgabe von Tiptrees Erzählungen konzipiert, erscheint dieser Band als letztes der Reihe – und dies wohl nicht ohne Grund. Selbst wer die ersten 6 Erzählbände kennt, wird über die interpretativen Anforderungen überrascht sein, die die Autorin ihren Leser_innen in fast jeder der Geschichten abverlangt. Tiptree hält sich nicht mit Erklärungen auf, er lässt uns in Szenarien und Leben hineinstürzen, ohne warnendes Vorgeplänkel. Dabei wird es meist gleich ziemlich existenziell für die Protagonist_innen. Dass Vorhersehbarkeit kein Charakteristikum seiner Erzählkunst ist, mag für Tiptree-Leser_innen nichts Neues sein, die Intensität der Texte Sheldons erfährt aber in diesem Band noch einmal eine Steigerung. Inhaltlich hält sie an gesellschaftskritischen Themen fest, die ihr gesamtes Werk auszeichnen. So unterzieht sie den Kapitalismus in „Das eingeschaltete Mädchen“ einer radikalen Kritik, die weit über Philip K. Dicks „Blade Runner“, dessen Romanvorlage etwa zur gleichen Zeit Ende der 1960er entstand, hinausreicht. Ein Buch für alle, die Irritationen lieben und die Lust am Überschreiten von Grenzen haben. Roswitha Hofmann

James Tiptree Jr.: Liebe ist der Plan. Sämtliche Erzählungen, Band 2. Aus dem Amerikanischen von Frank Böhmert, Laura Scheifinger, Elvira Bittner, Andrea Stumpf, Samuel N. D. Wohl, Eva Bauche-Eppers, Sabrina Gmeiner und Margo Jane Warnken, 528 Seiten, Septime, Wien 2015 EUR 25,60

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