Absage an die Schulmedizin

Das Sachbuch von Gabriele Freytag lässt die Leser_innen in eine Welt nach einer Krebsdiagnose eintauchen. Ihr Zwiespalt mit der westlichen Schulmedizin und deren Konsequenzen, welche durch diverse Eingriffe für das Individuum entstehen, zieht sich durch den gesamten Inhalt und schon von Beginn an wird klar, dass sie sich weigert „sich einfach unter das Messer zu legen“ und zu alternativen und auch sanften Wegen tendiert. Ihre subjektiven negativen Erfahrungen mit der traditionellen Schulmedizin – vor allem mit ÄrztInnen – und positiven Erfahrungen mit einer alternativen ganzheitlichen Medizin in asiatischen Ländern lassen nachvollziehen, warum sie sich für diesen Weg entschieden hat. Sie beschreibt eine weitreichende Bandbreite an Methoden, wie beispielsweise schamanische Techniken, Homöopathie, Ayurveda, Yoga, Naturheilkunde, das Lauschen auf die eigene innere Stimme und das Visualisieren und Unterhalten mit dem Krebs selbst. Unglaublich viel Kraft schöpft sie dabei aus ihrem Freundeskreis, sodass sie ihren eingeschlagen Weg durchziehen kann. Sie reflektiert eindrucksvoll ihren ungefähr zehnjährigen Weg der Heilung und ermöglicht Einblicke in ihre Gedanken, Gefühle, Vergangenheit, Erkenntnisse und – sehr interessant – auch in ihre Träume. Auch Zweifel enthält sie den Leser_innen nicht vor. Als Psychoanalytikerin erkennt sie, wie sehr Körper und Geist miteinander verwoben sind und wie „weiblich“ die Auseinandersetzung mit dem Thema der „Gebärmutter“ ist. Geschmacksache, aber beeindruckende Biografie.

Vanessa Jürgensen

Gabriele Freytag: Ein wilder Ort. Ein autobiografisches Sachbuch über Heilung von Gebärmutterhalskrebs. 240 Seiten, Marta Press, Hamburg 2017 EUR 20,00

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