Kategorie: Aktuelle Ausgabe

All das ist vergangen

Die Schuldlosen erzählt vom Aufwachsen der Geschwister Iris und Relja im kroatisch-bosnischen Grenzgebiet nach den Balkankriegen. Zwischen zerstörten Dörfern, gesellschaftlicher Orientierungslosigkeit sowie jugendlichem Verlangen und Zuneigung suchen sie ihren Platz und ein eigenes Leben. Es ist vor allem Iris Blick, dem gefolgt wird, und Iris Körper, dessen Verletzlichkeit zu spüren...

Der Bissen Wassermelone im Hals

Uppercut erzählt von einer jungen Frau, die in Wien lebt und auf ihre Kindheit im Belgrader Bezirk Dorćol in den 1990er-Jahren im Schatten des Krieges zurückblickt. Immer wieder aufkommende Flashbacks katapultieren sie in frühe Erinnerungen voller alltäglicher Gewalt auf den Straßen und in den Häusern Dorćols, familiärer Konflikte, Freundschaft, Sex...

Im Alltag untergehen

Kind, Mann, Katze, Enten, Chaos. Wallys Alltag ist überfüllt von vielen kleinen Dingen. Dazu auch noch die Diagnose ihrer Tochter: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS). Sie braucht Therapie, Medikamente und Geduld. Sich damit auseinanderzusetzen und die Bedürfnisse ihrer Tochter zu respektieren, ist für Wally eine Heraus-forderung. Sie sieht sich selbst in ihrer Tochter...

Alles ist anders!

Der vierte Roman der österreichischen Autorin und Soziologin Birgit Birnbacher wendet sich wieder einem gesellschaftlich relevanten Thema zu. Es geht um neurodiverse Personen. Es ist der letzte Schultag vor den Sommerferien, als der zehnjährige Oz, der eine ADHS-Diagnose hat, mit einigen Klassenkamerad:innen die Hasen am Schulgelände inspiziert und vergisst, den...

Das Unerzählte

Auch in ihrem neuen Roman geht es der Autorin Svenja Leiber um das Aufdecken patriarchaler Machtverhältnisse in einem autoritären System. Anfang der 1940er-Jahre wurde die 16-jährige Nelka als Zwangsarbeiterin aus Lwów (Lwiw) von den Nationalsozialisten nach Norddeutschland verschleppt. Circa 50 Jahre später besucht Nelka diesen Ort. Gemeinsam mit Schura und...

Die letzte Zeitzeugin

In Anna Silbers neuen Roman geht es um die Gedächtniskultur für die kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus dem Konzentrationslager geflüchteten KZ-Opfer des Nationalsozialismus im Mühlviertel, die von den Bauern und Anrainer:innen umgebracht wurden. Die letzte in die Jahre gekommene Zeitzeugin Paula Puchner erkrankt an Alzheimer. Ihre Familie...

Dem Schweigen ein Buch: Nazi-Vergangenheit in der Familie

Ich möchte zurückgehen in der Zeit ist ein Roman, in dem Hermann ihrer eigenen Familiengeschichte nachgeht, die exemplarisch für das intergenerationell vererbte Schweigen über SS-Kriegsverbrecher in der eigenen Familie steht. Hermann bleibt ihrem Stil mit klaren, kurzen Sätzen und gewollten Leerstellen treu: sprachlich am Punkt und über das Geschriebene hinausgehend....

Die Lücke in der Vertreibungsgeschichte

Der Debütroman der Autorin Katharina Braschel behandelt jene nationalsozialistischen Kriegsverbrechen in Jugoslawien, die von Donauschwaben begangen wurden. Die Ich-Erzählerin Lina vermutet, dass ihr verstorbener Großvater als Donauschwabe daran beteiligt war. Linas zielstrebige Recherche über den Großvater wirkt sich auf das Mutter-Tochter-Verhältnis zunächst negativ aus. Am Ende ist ihre Mutter jedoch...

Kampf um die Freiheit

Badjens liest sich wie eine Hommage an iranische Aktivistinnen, an diejenigen, die immer noch kämpfen, und an diejenigen, die durch das Regime verletzt oder umgebracht wurden, wie Mahsa, Nika, Sarina und viele weitere. Es offenbart, wie sich das Leben von weiblich sozialisierten Personen im Iran zwischen externer Kontrolle und weiblichem...

Das Leben aus der eigenen Perspektive

1974 wurde der Roman der kanadischen Autorin Margaret Laurence mit dem höchsten Literaturpreis Kanadas ausgezeichnet. Nun ist er erstmals in deutscher Sprache erschienen. Im Mittelpunkt steht das Leben der fiktiven Autorin Morag Gunn, die sich als Alleinerzieherin um die Zukunft ihrer bereits erwachsenen Tochter Pique sorgt und immer wieder Ausschnitte...