Kategorie: Lyrik

Du

Marianne Horvaths neuer Gedichtband „Worte haben andere Schritte“ ist über weite Strecken ein Dialog mit einem „Du“, das die Autorin als Gegenüber anspricht. Es bleibt größtenteils unbestimmt, wer, wann und wo dieses „Du“ ist. Auf jeden Fall sind es intensive und metaphorische Auseinandersetzungen mit all diesen „Du“-Situationen, die nicht immer...

Wanderung ins Weiß

Der Einband grau schimmernd, die Klappen tief blau und die Seiten dick weiß; das Debüt von Maren Kames ist so geschmackvoll wie nur irgend möglich arrangiert. Die Autorin wurde 1984 geboren, hat Literarisches Schreiben in Hildesheim studiert und gewann 2013 den 21. Open Mike der Literaturwerkstatt Berlin. Bei „halb taube...

Sprachspiele

Manchen Autor_innen ist die Liebe zur Sprache und die Leidenschaft für das Sprachspiel bereits an den ersten Sätzen anzuerkennen. Und das ist es auch, was Judith Nika Pfeifers schmalen Gedichtband so reizvoll macht: Die Lesenden begeben sich mit der Autorin in eine neue Welt der Sprache hinein, die manchmal so...

Reisen in Bildern und Sprache

Ana Schoretits‘ neues Buch ist übervoll von sinnlich Erfühltem, Gehörtem und Erlebtem aus ihren unterschiedlichen Reisen, die sie in eine Route mit Start und Zielpunkt Zagersdorf, ihrem burgenländischen Heimatort, verwandelt hat. Gedichte und Prosa umarmen einander und ergänzen sich sprachlich. Bege‑ gnungen, Geschichte, Sprache, Kunst und Kultur der einzelnen Länder...

Im Fluss

Mit „Sprache und Regen“ brachte der Hanser Verlag im Frühjahr 2016 einen Lyrikband der Schwedin Katarina Frostenson heraus. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Gedichten, die im Original zwischen 1999 und 2011 in vier unterschiedlichen Gedichtbänden erschienen. Frostenson wurde 1953 in Stockholm geboren, verfasste neben Lyrik auch Dramen...

„Scheiß auf das Gedicht“

Die 30-jährige Kate Tempest ist in Großbritannien seit Jahren als Rapperin und Songwriterin bekannt, doch auch ihre Literatur – Romane, Theaterstücke und Lyrik – sorgt zunehmend für Aufsehen. Ihr jüngster Lyrikband wurde nun übersetzt und ist als zweisprachige Ausgabe bei Suhrkamp erschienen, im biederen Taschenbuch-Style. Dabei hätten es diese Texte...

Vom Zuhause eines Satzes rennen

In diesem schmalen Gedichtband, der haptisch an gelbe Reclam-Hefte erinnert, aber violett im Umband und ebenso leicht einzustecken ist, sind es die Beobachtungen am Rande des Vorbeigehens, die eine beim Lesen auf der Stelle inne halten lassen. Hier ist eine in Lyrik aufgebrochen, hat sich aufgemacht, ist an sich zurückgekehrt,...

Jasmin und Herbst

Antina Zlatkova erhielt für ihren ersten Gedichtband mit dem Titel „papierschiffe“ (2010) im Jahr 2012 den Lyrikpreis der Exil-Literaturpreise. „Fremde Geografien“ könnte, auch weil der Text in deutscher und bulgarischer Sprache gedruckt ist, ebenfalls unter dem Label „Exillyrik“ verbucht werden. Und tatsächlich verwebt die Autorin die Motive Fremdheit und Heimat,...

Herz Jesu auf dem display

Nachdem sich der erste Band von Friederike Mayröckers Trilogie études durch eine Ruhelosigkeit, ja eine Notwendigkeit des Schreibens auszeichnet, ist der zweite Band cahier auf den ersten Blick ruhiger gestaltet. Die Dringlichkeit des Schreibens wird dann aber trotzdem sichtbar, sowohl an der erneut eng gesetzten Datierung als auch in den...

Von Bildern, die bersten …

Mit wortgewaltigen Bildern schreibt Breier gegen „Gottvaters Leistungsträgerleistungsbegriff“ und „Adam“, den „Intriganten“ an, teils mit apokalyptischer Unerbittlichkeit, teils mit fein ziselierter Ironie. Gott und Teufel, Himmel und Hölle, Glück, Unglück und Urknall werden in pathetisch anmutenden Bildern beschworen und gleichzeitig banalisiert. Da taucht immer noch und immer wieder der brennende...