Da hat so ein Typ gestanden

Kurz vor dem Ende der DDR erschüttert ein Mord die Bewohner·innen von Deetz, einem kleinen Dorf in Brandenburg. Die 51-jährige Edeltraud N. fährt nach ihrer Schicht im Konsum heim. Es ist noch warm an diesem Oktobernachmittag im Jahr 1989 und sie ist gerade bei der Gartenarbeit, als sie schwere Schritte hinter sich hört. Sie dreht sich um und sieht einen groß gewachsenen Mann in Stiefeln, Uniformjacke, einem Frauenunterhemd und BH. Edeltraud schreit, der Fremde entreißt ihr die Harke, erschlägt sie und flüchtet, als ein Nachbar ihn entdeckt. In den folgenden Monaten geht das Morden weiter, während nur fünfzig Kilometer entfernt die Mauer fällt. Sophie Sumburane hat sich in ihrem True Crime-Roman mit dem letzten Serienkiller der DDR auseinandergesetzt. Erzählt wird die grauenvolle Geschichte vor allem aus der Perspektive der beiden Freundinnen Hedi und Gabi. Während Hedi mit ihrem Verlobten nach Berlin zieht und dort isoliert und in Angst lebt, wird Gabi Reporterin bei der Bild-Zeitung und erhält so Einblick in die Ermittlungen. Obwohl es keine Sprache für das Ausmaß dieser Gräueltaten gibt, gelingt es der Autorin, den Opfern eine Stimme zu geben, damit diese nie vergessen werden. (Ergänzend zum Buch ist bis Februar 2028 die dreiteilige Doku Rosa Riese in der ARD Mediathek zu sehen, die Sophie Sumburane bei ihren Recherchen und bei Interviews vor Ort begleitet hat).
Ute Fuith

Sophie Sumburane: Keine besonderen Auffälligkeiten. 296 Seiten, Edition Nautilus, Hamburg 2026 EUR 15,99