Editorial

Liebe Leser*innen!

Sommer, Sonnenschein, Hängematte – Zeit zu entspannen? Je nachdem. Inputs zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen lesen sich mitunter ebenso erschreckend oder gar irreal wie manches aus dem Bereich Fiktion. Kurze Anamnese: Diskussionen zu genderspezifischen Schreibweisen, allgegenwärtige männliche Expertenrunden – sogenannte Mannels, reaktionäre Rollenclichés. In welchem Jahr befinden wir uns? Wirklich 2018?

Antifeministische Kräfte haben gerade Aufwind, sodass es gilt, ihre Inhalte und Verschleierungen gut zu kennen, um effizient dagegen agieren zu können. Vor allem ist es wichtig, Präsenz zu zeigen.

Unsere Bücherauswahl bietet hier einiges – so informieren „Antifeminismus in Bewegung“ und „Kulturkampf und Gewissen“ diesbezüglich auf profunde und verständliche Weise. Was wir von den feministischen Aktivismen und Praktiken in Wien seit den 1970er Jahren lernen können und was die feministischen Praktiken und Diskurse den vorhandenen akademischen Debatten voraushaben, lesen wir in „Zündende Funken“ und „Politik der Differenzen“. Noch mehr feministische Strategien und Historien finden sich in „Dauerkämpfe“. Wunderbare Erkenntiswelten eröffnen sich auch in „Queering Psychoanalysis“.

Wesentlich bleibt es, in allen Bereichen an der Sichtbarmachung von Frauen zu arbeiten. So ist etwa das Thema Frauen im Buddhismus eines, über das nicht viel berichtet wird – eine interessante Ausnahme ist das Buch „Die Ehrwürdige“ von Anne Siegel. Aus dem Bereich Biografie zu empfehlen: „Erinnerungen an eine Jahrhundertfrau“ über die melancholische Lebensbejaherin Astrid Lindgren. Tief beeindruckend; „Von Berlin nach Los Angeles“, autobiografische Aufzeichnungen von Anneliese Landau, die Einblick geben in die Lebensbedingungen einer deutschen Jüdin zwischen Musikwissenschaft, Flucht und dem harten Weg zu einem Einkommen als Vortragsrednerin. In „Losfahren“ geht es um ganz andere, aufregende Aspekte: wie es war, als erste Frau in Saudi-Arabien Auto zu fahren.

Für Krimi-Spannung sorgt ein gelungenes Wiedersehen mit der lesbischen Polizistin der ersten Stunde, Kate Delafield in „Wüstenfeuer“. Auch „Krokodile und edle Ziele“, Liza Codys neuer Fall, ist ein Muss für Krimifans.

Der wunderbare Roman „Kirchberg“ schildert eine Rückkehr von der Stadt ins Dorf. All jenen, die zwar mit dem Aussteigen liebäugeln, aber denen das Konzept ein wenig suspekt ist, sei „Bananama“ empfohlen.

Last but not least, der Bereich Graphic Novel wird zunehmend als Möglichkeit genutzt, sowohl komplexe, uneindeutige Inhalte wie diesmal „Queer“ einfach zu vermitteln, als auch neben dem Text auf mehreren Ebenen mit Bildern, Farben, Gestaltung zu erzählen – z. B. über das Aufwachsen eines Mädchen im katholischen Polen oder über Frauen in aller Welt.

Also, sucht aus, was Euch gefällt. Viel Vergnügen und viel Zeit zum lesen wünscht

Die WeiberDiwan-Redaktion