Editorial

Liebe Leser*innen!

Allerorten ist die Rede von „der Krise“. In Wirklichkeit gibt es viele verschiedene Krisen, ausgelöst durch unvorhersehbare Ereignisse, vor denen seitens der Wissenschaft allerdings schon oft gewarnt wurde. Manche träumen davon, möglichst rasch zur Normalität zurückzukehren – aber zu welcher? Was und wer definiert “normal”? Und worum geht es? Ursprünglich bedeutet Krise „Entscheidung, Zuspitzung“, also gar nicht nur Negatives. In der Tat entscheidet sich gerade einiges für die weitere Zukunft. Es gibt aktuell genug Anlass, sich zu äußern und zu positionieren. Oder sich zu wehren: Gender-Stereotype haben sich in vielen Bereichen gleich wieder eingenistet – wenn jemand zuhause unterrichtet, dann doch wohl die Mutter, die dann auch noch nebenbei ihren eigenen Job und den Haushalt am Laufen hält.

Weil das Leben bei vielen auch ein bisschen an Geschwindigkeit verloren hat, kommen Literatur-FreundInnen jetzt in den Genuss, sich mehr Zeit zum Lesen zu gönnen. Lesen transportiert nicht nur in andere Welten, es hilft auch bei der Weltwahrnehmung.

Großartig ist der Debutroman von Helena Adler “Die Infantin trägt den Scheitel links” durch die neuen Wortschöpfungen im Alltag eines aufwachsenden Mädchens. Der Einfluss des Rassismus auf Lebensverhältnisse lässt sich in Regina Porters Roman “Die Reisenden” anhand von zwei Familien, einer afroamerikanischen und einer weißen Familie nachvollziehen.

Anlässlich der aktuellen Situation rund um die Heldinnen im Pflegebereich sowie des 200. Geburtstags der Pionierin der Krankenpflege ist die Biografie über Florence Nightingale, die weltberühmteste Krankenschwester mit der Nachtlampe zum Lesen auch zu empfehlen.

Interessant ist der Roman von Rebecca Makkai “Die Optimisten” der sich mit menschlichen Ängsten in der Anfangsphase des HIV-Virus in Chicago beschäftigt.

Wenn es etwas Politisches sein soll, dann ist der Beitrag von Gabriele Dietze “Sexueller Exzeptionalismus” empfehlenswert, weil er vielseitig Argumente des Rechtspopulismus aufgreift und diese feministisch, analytisch zerlegt.

Besonders Reisebücher können in einer Zeit der komplizierten Reisebedingungen Fernweh mildern. Oder auch verstärken, so dass man sich die nächsten Trips bereits fix vornimmt. In ihrem ausgezeichneten Kanada-Tagebuch beschreibt Renate Sattler Orte und Lebenswirklichkeit der First Nations in Kanada inspirierend klischeefrei.

Also rein ins Lesevergnügen und einen entspannten Sommer zuhause, im Park, im Wald, am Wasser oder in den Bergen.

WeiberDiwan-Redaktion