Editorial

Liebe Leser*innen!

Lesen ist die Beschäftigung der Stunde – dieses Jahr noch mehr denn je! Ausgehen ist ja ein bisschen aus der Mode geraten bzw. nicht immer ganz einfach, und vor allem nicht so unbeschwert, wie wir uns alle wünschen. Das Positive daran ist: ganz viel Zeit! Früh ins Bett gehen und stundenlang lesen zum Beispiel hat etwas extrem Luxuriöses. Oder Nachmittage auf der Couch. Einen ausgewählten Überblick über feministische Lektüre mit guten Tipps für die nahenden Feste möchten wir euch auch in dieser Winterausgabe geben. Ein weiterer Grund zum Feiern ist heuer jedenfalls das 25jährige Jubiläum des Querverlags Berlin, dessen Werke wir regelmäßig rezensieren. Ein Grund zu trauern und zu gedenken ist der Tod der großartigen Ruth Klüger, die mit ihren klaren und brillanten Texten als Leuchtturm kritischer Literatur wirkt. Ihre Werke (wieder) zu lesen möchten wir hier uneingeschränkt jeder ans Herz legen.

Hier noch ein paar Tipps:

Imposant ist der Roman „Die Nebelmaschine“ von Elena Messner, der von der Durchsetzungskraft der Kunst handelt und sich mit Wirtschaftskriminalität beschäftigt. Die soziale Frage in Großbritannien wird von Ali Smith in ihrem Roman „Herbst“ thematisiert. Unbedingt anschauen: drei Werke argentinischer Schriftstellerinnen, welche die ökonomisch brennenden Fragen in einer tief gespaltenen Gesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Punkt bringen: Agustina Bazterrica entwirft in „Wie die Schweine“ eine Dystopie, in der Tiere von einem Virus befallen sind und deswegen nicht mehr geschlachtet werden. Dafür treten Menschen an ihre Stelle. Um den Wert von Leben geht es auch bei Lucía Puenzo. In ihrem Buch „Die man nicht sieht“ folgt sie einer Straßenkinder-Gang. Und Samanta Schweblin kreiert in „Hundert Augen“ eine beklemmende hypertechnoide Welt, in der Menschen sich mit ihren Emotionen an Geräte wenden, weil unmittelbare soziale Beziehungen gestört sind. Um Emotionen von und zu Tieren geht es im aktuellen Band der Tierstudien, herausgegeben von Jessica Ullrich und Marianne Sommer. Sehr schön geschrieben ist der Roman „Streulicht“ von Deniz Ohde: da geht es um die „feinen Unterschiede“ in unserer Gesellschaft und im deutschen Bildungssystem – es ist eine Art Coming-of-Age Story.

Gerade in Krisenzeiten hilft eine großzügige Dosis Humor. Zudem war und ist Humor seit jeher essenzieller Bestandteil feministischer Kritik und feministischer Strategien. Deswegen porträtieren wir in der Coverstory Kabarettistinnen und empfehlen als ergänzende Lektüre das Werk von Iris Schürmann-MockFrauen sind komisch. Kabarettistinnen im Porträt.

Außerdem gibt es jede Menge Krimis, eine sexuelle Biografie von Doris Anselm, „Hautfreundin“ und wichtige Publikationen zu Gender Studies. Wir wünschen Euch eine gute Zeit, Optimismus und so spannende Lektüre, dass sich nicht mal Wasser aufstellen lässt für den Tee zur Begleitung.

WeiberDiwan-Redaktion