Editorial


Liebe Leser*innen!



Die Präsenz feministischer Positionen in verschiedenen Öffentlichkeiten – auch im Mainstream – hat in den letzten Jahren erfreulich zugenommen. Dazu gesellten sich T-Shirts mit entsprechenden Aussagen und Superstars, die sich für Feministisches aussprachen. Nun erscheinen auch seit einiger Zeit zunehmend Bücher (Blogs, Zeitschriften….), die sich mit dem jeweiligen Verhältnis der Autorinnen zu Feminismus beschäftigen. Auffallend ist dabei, dass dem häufig die Abneigung „bisherigem Feminismus“ gegenüber vorangestellt wird, von „Veteranen“ ist gar die Rede, von denen eine sich zuerst mal abgrenzen muss, bevor sie sich begeistert als Feministin bezeichnen kann. Ist das simpel als Ausdruck von Generationenkonflikten oder Muttermord zu interpretieren? In welchem Zusammenhang stehen diese Abwertungen der Kämpfe der letzten Jahrzehnte mit einer (kommerzialisierten) neuen Begeisterung für weibliches Selbstbewusstsein? Welche Inhalte werden dabei verhandelt und vielleicht einfach nur kontrovers beantwortet?

Mehrere solcher Texte finden in diesem WeiberDiwan Besprechung und sie werden kontrastiert von einem Manifest gegen den „disneytauglichen Oberflächenfeminismus“ und dem autobiografischen Zugang einer Protagonistin der 1970er Jahre, die den Dialog mit den Jungen sucht. Texte über historische Kämpfe, die noch weiter zurück in vergangene Jahrhunderte reichen, erschienen u. a. rund um die Jubiläen zum Frauenwahlreicht, was die Perspektiven zeitlich ausdehnen lässt. Räumlich kann der eigene Horizont mit literarischen Kostbarkeiten zwischen Georgien und Schweden, dem Iran und Südafrika, Israel und Algerien erweitert werden. Und weil eigene Handlungsspielräume oftmals gar nicht weit erscheinen, ist auch die Rubrik mit Ratgeber*innen diesmal gut bestückt.

Heterogenität und Streitbares sind wohl Kontinuitäten politischer Auseinandersetzungen, so auch im Feministischen. Sowohl das Gendern der Sprache als auch die Bezeichnungspraxis für Schwarze und weiße Menschen als politische Ausdrucksformen sind in diesem Heft wieder uneinheitlich beibehalten. Wir beginnen wie gehabt mit der wissenschaftlichen und Sachliteratur, denn es gibt noch viel zu verstehen, viel zu tun, viel zu genießen und ganz viel zu lesen!

Einen wunderbaren Sommer wünscht die WeiberDiwan-Redaktion