Schlagwort: Zeitgeschichte

Nilpferd auf der Autobahn

Wütend rechnet die Autorin Tamar Tandaschwili in ihrem zweiten Roman mit Patriarchat, Frömmigkeit, Doppelmoral und Korruption im heutigen Georgien ab. Den Rahmen der Erzählung bietet der Austausch zweier Traumatherapeutinnen über ihre Berufserfahrungen. In schnellem Tempo reihen sich blitzlichtartig ins Surreale übergehende Geschichten über Tabubrüche, Selbstmord und Misshandlungen aneinander. Patriarchale Gewalt,...

Die kaputte Glühbirne

Im orthodoxen Georgien sorgte bereits der Titel des Buches „Schuschaniks Kinder“ für Empörung. Schuschanik war eine armenische Prinzessin im 5. Jahrhundert. Sie weigerte sich, zum Zoroastrismus der persischen Herrscher überzutreten. Daraufhin warf sie ihr konvertierter Mann ins Gefängnis, wo sie nach sieben Jahren starb. Ihre Heiligenlegende gilt als das älteste...

Die Charité

Um „Die Ärztin” als Hörbuch zu erleben, braucht es Geduld, Zeit und Freude an verschiedenen Stilarten, die der jeweiligen Zeitepoche entsprechen. Der Anfang hört sich nach einem “Mädchenbuch” an. Ein persönliches Erlebnis in ihrer Kindheit motiviert Ricarda zum Medizinstudium. Trotz zahlreicher Widerstände zieht sie diesen Plan durch. Nach dem Studium...

Fliegen

Beim Stöbern in der Wohnung ihrer verstorbenen Großmutter Freda stößt die Ich-Erzählerin, eine Wissenschafterin, auf hinterlassene Fotos, Bücher und Gegenstände. Freda, eine starke Frau, hatte es als uneheliches Kind in einem Dorf nicht leicht. Ihr Vater, hin- und hergerissen zwischen ihrer Mutter und einer anderen Frau, entschied sich gegen die...

Überleben als U-Boot

Obwohl katholisch getauft, wird Walter, als Folge der rassistischen Ahnenforschung und Sippenhaftung, zum Juden erklärt. Der auf wahren Begebenheiten beruhende Roman beginnt mit einem Abschiedsbrief, der einen Selbstmord wegen der Vorladung zur Gestapo vortäuscht. Das Buch endet auch wieder mit einem Jahre später tatsächlich verübten Suizid. Diesmal ohne Abschiedsbrief. Dazwischen...

Der Krieg ist nicht aus

Die Autorin entdeckt nach dem Tod die Tagebücher ihrer Mutter. Diese war 1945 auf der Flucht vor der “Roten Armee” überrollt und in ein Lager verschleppt worden. Sie wurde dort festgehalten, weil sie sich Jahre zuvor neunjährig als Deutsche bekannt hatte, mit einer Unterschrift auf einem Fragebogen. Die Autorin kann...

Warnung!

Bekannt wurde die 1927 geborene Wienerin durch ein Video anlässlich der Bundespräsidentenwahl 2016. Sie warnt vor Rechtsradikalismus. Anlass des Buches ist laut Autorin “die Jugend zu warnen, wie zart die Demokratie ist und wie wachsam man sein muss, um sie zu erhalten”. Gertrude Pressburger hat alles erlebt, was das 20....

Ein Leben als Frau

Die Historikerin Sabine Weigand schreibt in dieser Erzählung gemeinsam mit der heute 85-jährigen Helga F. deren Leben autobiografisch nieder. Helga aus Nürnberg war 1936 bei ihrer Geburt als Mann klassifiziert worden, was aber bereits als Kind nicht für sie passte. Das Buch mit dem Foto von Helga im Jahr 1969...

Una famiglia italiana

Alle Welt spricht von Elena Ferrante (siehe auch Rezension in diesem Heft) und das ist auch gut so, aber es gibt noch mehr italienische Autorinnen, die Aufmerksamkeit verdienen. So etwa Margherita Giacobino – Autorin, Übersetzerin und Genderforscherin –, die in ihrem Roman „Familienbild mit dickem Kind“ den Bogen über mehr...

Zwischen Ignoranz und Rebellion

Der Debütroman von Verena Boos handelt von der jungen, unbedarften Spanierin Maite, die zwecks Studierens nach München geht. Dort lernt sie Carlos kennen, der sie herzlich in seiner Familie aufnimmt. Carlos Großvater Antonio, der Gemüsehändler, wird für sie ein wichtiger Gesprächspartner, weil er ihr Interesse an Geschichte weckt. Er hat...