Kategorie: Lyrik

Im Angesicht der Verwüstung

Extrem verdichtet weisen die Texte von Petra Ganglbauer auf eine Patt-Situation hin, in die Menschen die Erde mit ihrer Fokussierung auf Gewinn und Ausbeutung gebracht haben. Die entstehenden fragmentarischen Bilder füllen sich durch Assoziationen mit unterschiedlichen Katastrophenszenarien, von der Verwüstung durch Abholzung und Brände, Tiefenbohrungen in das Herz der Erde...

Entwurzelt

Mariam Meetra drückt mit ihren Gedichten die Sehnsucht nach einem Ort – konkret Kabul aus, das in dieser Form nicht mehr bzw. nur mehr in Erinnerungen existiert. Themen wie Krieg und Flucht finden ebenso Raum und wechseln sich mit friedvollen Kindheitserinnerungen ab. Ihre Sprache schwankt zwischen gefühlvollen Sätzen, die Gefahr...

Kein Leben ohne Poesie

Sprache ist Klang, ist Rhythmus, ist sinnlich. Bis in die letzten Ränge der Wirklichkeit sollen sich die eindringlichen Worte von Lisette Lombé nach ihrem Wunsch verbreiten: Zu denen, die ausgelassen werden, die unsichtbar sind, die sich zwischen den Zeilen verstecken. Alle sollen angesprochen sein, wenn sich die brennende Wut des...

Sehnsucht nach Gerechtigkeit

Elnaz Farahbakhsh setzt sich textlich unter anderem mit den Themen Flucht aus dem Iran, Migration nach Deutschland und Rassismus auseinander, aber auch Themen wie Liebe, Kindheitserinnerungen und familiäre Schicksale finden Platz. Ebenfalls thematisiert wird die Diskriminierung im schulischen und hochschulischen Kontext und der Kampf gegen vermeintliche Normen in diesen Institutionen....

Anleitungen statt Prinzipien

Die Lyrikerin Ann Cotten ist eine Sprachentwicklerin, die grenzüberschreitend formuliert. Ihre aktuelle Textsammlung ist zeit-, kultur- und geschlechterübergreifend, untermalt mit Tuschezeichnungen, Schwarzweiß-Fotos und japanischen Weisheiten. ‚Sier’ hält gegenwärtige Momentaufnahmen über Drogendealer in Hawaii ebenso wie historische Rekonstruktionen über Produktionsprozesse fest. Es eröffnen sich Möglichkeiten der Interpretation, je nachdem worauf die...

Poetische Huldigung der Dialekt-Lyrik

Die Autorin zieht uns mit ihrem Lyrikband in eine persönliche schmerzliche Odyssee in drei Akten. Der Dialekt ist dabei der eigentliche Protagonist. Rollende Konsonaten und der (Gleich-)Klang von Wörtern zeigen sichtlich den Spaß der Autorin am Sprachspiel. Manchmal wirkt dieses Vergnügen wie der Gegenpol zur Schwere des Inhalts. Erstaunlich intim...

„have a conversation with your stance“

Precious Chiebonam Nnebedum (*1999) ist in Österreich schon eine bekannte Poetryslammerin – nun liegen ihre Texte als Lyrikband vor. An beliebiger Stelle aufgeschlagen, liest sich beinah jeder Text wie eine lyrische Erzählung des Wachsens, der Ich-Werdung, wie ein einziges, langes Lied, mit Refrain und Pausen und Brüchen. Unverkennbar sind die...

Syrische Gedichte

Die syrische Lyrikerin Lina Atfah, seit 2014 in Deutschland im Exil, erzählt in ihrem Gedichtband von Flucht, vom Weggehenmüssen und von der Ungewissheit, der Unwirklichkeit des Ankommens. Gleich das zweite Gedicht „Am Rande der Rettung“ ist eine psalmartige lyrische Erzählung und zugleich ein lakonisches Statement: „Ihr Träumer, freut euch nicht...

Weit und Nah

Cornelia Travnicek hat Momente und Fragmente ihrer Reisen gesammelt und gibt diese sprachlich wunderschön und fesselnd wieder. Sie hat Orte in Bosnien und Herzegowina, Serbien, Rumänien, der Ukraine, dem Iran, Indien, Myanmar, Indonesien und einige mehr besucht und teilt ihre Erfahrungen. Zum einen sind es mal mehr oder weniger skurrile...

„Ineinander dichten“

Die Lyrikerin und Übersetzerin Daniela Kocmut hat ihren zweiten Gedichtband vorgelegt. Er ist wie eine Erforschung der Sprache selbst und des Materials, aus dem die Worte sind. Durch das Hin- und Rückübersetzen von Zeilen und Zeilenteilen ins Deutsche und Slowenische malt sie mithilfe der Zweisprachigkeit den Bereich zwischen Zeichen und...