Kategorie: Essay

Nicht vergessen

Die Bilder gingen um die Welt: als im August 2021 die Taliban in Kabul die Macht übernahmen, waren alle Augen auf Afghanistan und die in Panik fliehenden Menschen gerichtet. Ein paar Wochen später sind sie aus der medialen Aufmerksamkeit verschwunden – doch die Menschen und ihre Probleme, Kämpfe, Widerstände sind...

Ohne Papiere Putzen für das Paradies

Armut, Flucht vor Krieg, häusliche Gewalt. Negussie aus Eritrea, Ariana aus dem Kosovo, Antonella aus Chile: Auch sie haben einen Grund, warum sie in die Schweiz gekommen sind. Sie putzen, kochen, hüten Kinder. Sie arbeiten am Bau, in der Gastro, in der Landwirtschaft. Meist für rund 400 bis 600 Franken...

Immer noch tabu

In einer Mischung aus beschreibender Erzählung und direkter Rede gibt Jeanne Diesteldorf 12 Frauen den Raum, über ihre Abtreibung zu sprechen. Rechtlich ist Abtreibung in Deutschland immer noch illegal, wenn auch straffrei, und das Buch möchte mit dem Tabu brechen. Auch in Österreich, wo seit 1975 die ‚Fristenregelung‘ gilt, ist...

Die Heldin der eigenen Geschichte

Es sind zwei Städte und ein Land, in die uns Doris Dörrie als Leser:innen mitnimmt. Zuerst nach San Francisco, das Ziel ihres Aufbruchs, weg von Hannover, ihrer Heimatstadt, um zu studieren. So wie einst der männliche (!) Held, will sie in der Fremde bestehen, Abenteuer erleben, den Schwierigkeiten trotzen und...

Zeiten-Reisen

Alice ­Schalek nimmt uns in ihren Reportagen mit auf Reisen nach Brasilien, Chile und Peru, ein paar Jahre später nach Indien, Ost- und Südafrika und die USA. Wir reisen aber auch in die 1920er und 1930er Jahre. In Südamerika verfolgen wir Schicksale europäischer Auswander:innen, viele davon gescheiterte Existenzen. Aus Indien,...

Elend in der Zwischenkriegszeit

In 31 Reportagen und Feuilletons nimmt uns Else ­Feldmann in das Wien der Zwischenkriegszeit mit. Die Reise führt freilich nicht in eine ‚gute alte Zeit‘, sondern vielmehr in die Armenviertel, wo schreckliche Arbeitsbedingungen zu teils irreparablen Gesundheitsschäden führen. Eltern vererben ihren Kindern Krankheiten und die Wohn- und Ernährungssituation tut ein...

Sprachliche Sorgfalt

Zum hundertsten Geburtstag von Ilse Aichinger im Jahr 2021 wurde die Autorin und Künsterlin Teresa Präauer von der Stadt Wien eingeladen, eine Festrede über diese zu halten. Teresa Präauer tastet sich feinfühlig an die Biografie Aichingers heran, indem sie persönliche Daten Aichingers von deren Tod 2016 zurück in deren Kindheit...

Glaube, Liebe, Hoffnung

Hannah Arendt & Rosa Luxemburg: die eine führt Joke J. Hermsen zur anderen. Arendts positive Texte zu Luxemburg überraschen sie zunächst, ebenso wie das Aufflammen der Protestbewegung 2018 in Frankreich von den Gelbwesten. „Dass ein Volksaufstand immer unerwartet geschieht, lernte ich in diesem Spätsommer von Rosa Luxemburg“, schreibt Hermsen. Und...

Unverschämt jüdisch

Fast alle Texte sind im Kontext von Literaturpreisverleihungen entstanden: Max-Frisch-Preis 2011 in Zürich, Ricarda-Huch-Preis 2015 in Darmstadt, Bremer Literaturpreis 2020, um nur einige zu nennen. Die Entgegennahme von Preisen ist an einen Ort gebunden, an dem die Namensgeber:innen gewirkt haben, wo eine Stiftung ansässig ist, oder es ist ein Ort...

Lesbisch queer durch Wien

Spannend, gut zu lesen sind die Beiträge über lesbische und queere Sichtbarmachung in Wien. Alina Zachar von der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen schreibt in ihrer Einleitung über queer-lesbische Themen als Fokus in dem Buch. Die rund dreißig feministischen, lesbischen Autorinnen thematisieren die unterschiedlichen Lebensbereiche im Alltag und...