Schlagwort: Philosophie

Das Irrlichtern großer Geister

Pola Oloixaracs Romandebüt besteht aus drei ineinander verwobenen Erzählsträngen: Die seltsame Liebesgeschichte der Außenseiter Kamtchowsky und Pabst handelt in der jüngsten Vergangenheit. Die beiden Nerds haben einen ausgeprägten Hang zu Exzessen, den sie in der Club- und Hackerszene von Buenos Aires ausleben. Auf einem dieser soziologisch-erotisch motivierten Ausgänge gelangt Kamtchowsky...

Beauvoir revisited

Unterwerfung als aktiver Gegenpol zu Ausübung von Macht findet in der Philosophie wenig Beachtung. Dies zu ändern, heftet sich die 1985 geborene Garcia auf die Fahnen. Scharfsinnig hinterfragt sie die Zusammenhänge zwischen Weiblichkeit und Unterwerfung, also dem Verzicht auf Freiheit, dem Sich-Fügen in fremdbestimmte Machtstrukturen. Kann Unterwerfung auch freiwillig erfolgen?...

Glaube, Liebe, Hoffnung

Hannah Arendt & Rosa Luxemburg: die eine führt Joke J. Hermsen zur anderen. Arendts positive Texte zu Luxemburg überraschen sie zunächst, ebenso wie das Aufflammen der Protestbewegung 2018 in Frankreich von den Gelbwesten. „Dass ein Volksaufstand immer unerwartet geschieht, lernte ich in diesem Spätsommer von Rosa Luxemburg“, schreibt Hermsen. Und...

Ein virtuoses What the fuck?!

Dieses Buch ist für Hartnäckige, denn es interessiert sich scheinbar kaum für seine Leser_innen, die sich der überbordenden Sprache und Erzählung entgegensetzen müssen. Philosophische Essays vermischen sich mit wissenschaftlichen Abhandlungen und literarischen Kunststücken, die die emotionale Welt der Protagonistin auf sperrige und doch poetische Weise beschreiben. Während Nerds versuchen, durch...

Wer will überhaupt Sex haben?

In „Sexkultur“ hinterfragt die deutsche Philosophin Bettina Stangneth sämtliche Aspekte, die Sex als Aktivität, Sexualität als Phänomen und Gesellschaft als Hintergrund betreffen. Ausgehend von der Beobachtung, dass Sex eigentlich nur thematisiert wird, wenn es ein Problem damit gibt, fragt sie: wenn Sex für die Menschen so eine Schwierigkeit darstellt, „warum...

Vom Wesen des Wartens

Nach ihrem furiosen Debutroman „Chaya“, zahlreichen Essays und Gedichten legt die Literaturwissenschaftlerin und Psychoanalytikerin Kathy Zarnegin nun ein schmales Bändchen vor, bei dessen Erscheinungszeitpunkt noch nicht absehbar war, wie sehr es ein Grundgefühl im Leben mit der Pandemie beschreiben würde: Warten. In Paragraphen unterteilt, die zwischen einem kurzen Satz und...

Youie statt Selfie

„Ich fühle einfach nicht so viel für dich. Können wir Freund_innen bleiben?“ Wer kennt diesen Satz nicht. Rechtzeitig zur Selbstisolation erschien im März die neue Graphic Novel „Ich fühl’s nicht“ von Liv Strömquist. Es ist ihre vierte Veröffentlichung, die sich in eine Graphic Novel Serie zu Liebe, Geschlechter und Gefühle...

Das Untier des Textes

Eigene Welten entstehen. Aus Zeichnungen und Buchmalereien erwachsen geflügelte Wesen, drachenköpfige Ungeheuer und verführerische Schlangen. Vom Bestiarium mit klar erkennbaren Fabelwesen bis zur Enzyklopädie wissenschaftlicher Einträge, vom konkreten Gesang des Kuckucks zur sprechenden Ente Donald Duck: Teresa Präauer nimmt die Leserin mit auf eine assoziative Reise in die Welt der...

Kosmopolitik als politische Ethik

Diese grandiose philosophiehistorische Studie einer jungen Philosophin zur transnationalen Wissenszirkulation im Werk und in der Rezeption Hannah Arendts (USA/Deutschland) lässt sich im vorgegebenen Rahmen nicht angemessenen würdigen. Weshalb hier nur die Intention des Werkes und nicht die unfassbare Detailfülle berücksichtigt wird. Es geht nicht um die Ideengeschichte und nicht um...

Arendt für alle

69-jährig begegnet Hannah Arendt plötzlich einer kleinen Hannah, deren Namen sich ebenso in beide Richtungen lesen lässt. Sie fühlt ich ihrer Arbeit an ihrem Buch „Vom Leben des Geistes“ von dem ca. zehnjährigen aufgeweckten Mädchen gestört und tritt – vorerst etwas unwillig – in einen Dialog mit ihr. Sie nimmt...