Eine literarische Reise über sich hinaus

Elsie ist verloren. Verloren in einem Leben, das sie nicht erfüllt. Aber auch verloren in einem Land, das zwar das ihrer Großmutter ist, das sie aber nicht kennt und in dem gerade Krieg herrscht. So fängt der Roman an, mit dem uns Valerie Springer einfühlsam und unaufhörlich mit auf die Reise nimmt. Auf Elsies Reise nicht nur zu sich selbst, sondern vor allem zu Menschen, zum Leben in einem Dorf ohne technische Infrastruktur, aber voller Geschichte(n) und Zusammenhalt. Dabei wird das Landleben in Armut nicht romantisiert. Vielmehr gelingt es Springer, die Vielschichtigkeit des Lebens in einer von Krieg gezeichneten (fiktiven) Region spürbar zu machen, ohne dabei platt oder überheblich zu sein. Sie verwebt aktuelle Krisen mit historischen Kriegserfahrungen. Und dabei verschwimmen Kategorien wie Freund*in und Feind*in. Der Roman ist eine Reise durch Übergangsphasen voller Widersprüche, Unterstützung und Menschlichkeit, mit einer sanften Kritik an Alibi-Hilfeaktionen. Er nimmt eine*n mit, Schritt für Schritt, bis mensch woanders landet, als ursprünglich gedacht, um dann doch dort, wenn auch anders, anzukommen.
Elisabeth Günther

Valerie Springer: Eine Ziege, ein Dorf und kein Internet. 194 Seiten, Milena, Wien 2026 EUR 25,00