artsy, edgy, leer

Liv bewegt sich durch Wien, durch kalte WG-Zimmer, durchzechte Nächte, und Beziehungen – immer auf der Suche nach einem Punkt, an dem sie sich selbst greifen kann. Sie ist zwischen überall und nirgendwo, spürt sich und ihren Körper kaum – und die Wiener Kulturszene hilft ihr nicht dabei, das zu ändern. Im Gegenteil: Ana Drezgas Roman zieht die Leser*innen hinein in ein proklamatisches 7.-Bezirk-Gefühl zwischen Subkultur, popkulturellem Hetero-Mainstream und dem Leiden an beiden. Die Präsenz der Leere, die Sinnsuche in Beziehungen und die große Frage nach Identität prägen Livs innere Welt ebenso wie Drezgas Schreibstil: Man liest nicht nur, man sitzt plötzlich auf der Zuschauerinnentribüne eines Lebens, das sich wie ein Theaterstück in Neubau vor einem entfaltet. Ob als Quarter-Life-Crisis, psychologisches Diagnosebild oder philosophische Frage nach Existenz und Beziehung gelesen – Top Girls berührt all das.
Zoe V. Bergmann

Ana Drezga: Top Girls. 117 Seiten, Otto Müller Verlag, Salzburg 2025 EUR 22,00