Digitale Gewalt – warum und wie sich wehren?
In ihrem siebten Buch Feindbild Frau geht Ingrid Brodnig den vielfältigen Formen und Mechanismen digitaler Gewalt nach. Basierend auf umfassenden Recherchen – von wissenschaftlichen Publikationen über die Arbeit von NGOs bis hin zu Interviews mit von digitaler Gewalt betroffenen Politikerinnen sowie weiteren Expert*innen – legt Brodnig in 13 Kapiteln dar, wie durch Hasspostings und Shitstorms Frauen aus dem öffentlichen (digitalen) Raum gedrängt werden sollen. Dabei beleuchtet sie einfühlsam und vorsichtig, mit welchen Mitteln Frauen in der digitalen Öffentlichkeit beschimpft, verunglimpft und bedroht werden. Sie zeigt auf, welche fatalen Konsequenzen diese gewaltvolle Kommunikation haben kann. Doch geht es weniger um eine berechtigte Skandalisierung als um Sensibilisierung für das Thema, die dazu genutzt werden kann, Gegenmaßnahmen zu setzen. Denn Brodnig zeigt auch auf, wie Menschen sich selbst schützen und andere unterstützen können, um „den menschlichen Umgang miteinander zu verteidigen“ – wie es Yvonne Magwas im zitierten Interview sagte. Mit leichten Umwegen, der einen oder anderen Wiederholung und verschiedenen Querverweisen legt Brodnig die Notwendigkeit für und den Weg zu mehr Zivilcourage in einer von digitalen Kommunikationstechnologien geprägten Gesellschaft dar. So kann jede*r für sich selbst Ansätze für ein solidarisches Miteinander im digitalen Raum finden.
Elisabeth Günther
Ingrid Brodnig: Feindbild Frau. Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und verdrängt werden – und was wir alle dagegen tun können. 208 Seiten, Brandstätter, Wien 2026 EUR 25,00
