Ist eine bessere digitale Welt möglich?

In ihrem schlanken und gut verständlichen Buch Datenschlussverkauf reflektiert Barbara Prainsack den gegenwärtigen Umgang mit Daten in der digitalen Welt. Sie arbeitet heraus, dass es bis heute an einem gesellschaftlichen und politischen Verständnis davon fehlt, wem Daten gehören, wer profitiert und wie digitale Infrastruktur demokratisch organisiert werden kann. Die Folge: Tech-Konzerne werden immer mächtiger und reicher, während die Allgemeinheit kaum profitiert. Besonders spannend ist, dass sich Prainsacks Analyse nicht auf Europa beschränkt, sondern auch Beispiele aus den USA, China oder afrikanischen Staaten heranzieht. Die Probleme sind trotz der unterschiedlichen Systeme erstaunlich ähnlich: Daten werden überwiegend privatwirtschaftlich verwertet, während öffentliche Interessen ins Hintertreffen geraten. Auf Basis dieser Analyse entwickelt sie Konzepte dafür, wie Daten „fair, sicher und zum Wohl aller“ genutzt werden könnten. Ihr zentrales Anliegen ist es, Daten als Bestandteil öffentlicher Daseinsvorsorge und als Mittel zur Förderung des Gemeinwohls zu begreifen. Dabei macht sie deutlich, dass Daten nie rein individuell sind, weshalb der Fokus auf Datenschutz allein nicht ausreicht. Stattdessen plädiert Prainsack für politische Regulierung, öffentliche digitale Infrastruktur und kollektive Lösungen. Das macht das Buch auch aus feministischer Perspektive interessant: Verantwortung wird nicht auf Einzelne abgeschoben, sondern als gesellschaftliche Aufgabe verstanden. Besonders mag ich, dass das Buch Diskussionen über und für eine solidarische digitale Politik ermöglicht und Anregungen für zivilgesellschaftliche Bewegungen bietet, anstatt individuelle ‚Selbstoptimierung‘ im Umgang mit Daten zu propagieren.
Nadja Bergmann

Barbara Prainsack: Datenschlussverkauf. Solidarität in der digitalen Welt. 126 Seiten, Wagenbach, Berlin 2026 EUR 18,00