Tiere, Trauer, Tod

Die vergleichende Thanatologie ist eine sehr junge Wissenschaft, die zwischen Ethologie, Psychologie und Philosophie angesiedelt ist. Sie beschäftigt sich mit der Frage, ob Tiere ein Konzept vom Tod haben und wie sie mit Trauer und Verlust umgehen, ohne zu anthropomorphisieren. Susana Monsó ist Professorin für Logik an der Universität Madrid und widmet ihr 2021 auf Spanisch erschienenes Buch dieser Frage. Sehr niederschwellig und einführend erklärt sie philosophische Begrifflichkeiten und greift auf anekdotische Beobachtungen zurück. Sie berichtet von der Nekrophorese der Ameisen, die tote Tiere aus dem Nest entfernen, ein stereotypes Verhalten, aber auch von Primaten, Elefanten und Walen, die durchaus kognitive Reaktionen auf den Tod zeigen. Zumeist handelt es sich um affiliative Reaktionen, also Verhaltensweisen, die auf Fürsorge und Zuneigung gegenüber sterbenden Artgenoss*innen verweisen, dabei vor allem um Mutter-Kind-Beziehungen. Die Frage, ob (nicht-menschliche) Tiere ein Konzept vom Tod haben, beantwortet Monsó eindeutig mit Ja, wobei sie betont, dass wir für die Betrachtung dieser Frage unseren intellektuellen und emotionalen Anthropozentrismus ablegen müssen. Dennoch sind Menschen die einzigen Tiere, die Bestattungsrituale und symbolische Darstellungen des Todes haben. Eine spannende Einführung in die vergleichende Thanatologie, gut zu lesen auch für Nicht-Philosoph*innen. Besitzer*innen von Hunden und Katzen kommen vielleicht nicht auf ihre Kosten. Schade ist es auch, dass von Nutztieren keine Rede ist.
Beate Foltin

Susana Monsó: Das Schweigen der Schimpansen. Wie Tiere den Tod verstehen, Aus dem Span. von Thomas Brovot, 255 Seiten, Insel Verlag, Berlin 2025 EUR 28,80