Gelbe Monster
Ich google – nicht „schlechter Mensch“, wie die Hauptfigur in Gelbe Monster – sondern „Statistik Gewalt in der Partnerschaft“ und erfahre: Nahezu jede fünfte Frau in der EU hat im Laufe ihres Lebens körperliche Gewalt durch einen Intimpartner erfahren. Clara Leinemann greift dieses brisante, sehr aktuelle Thema auf und dreht es um. Sie stellt eine wütende, gewalttätige Frau ins Zentrum ihres Debütromans. Potenzial für eine mitreißende, aufwühlende Geschichte. Eigentlich. Großstadt, junge Menschen, Unsicherheiten, Flirts, One-Night-Stands, Verliebtheit, unbeantwortete Textnachrichten … ein bisschen Coming-of-Age, ein bisschen RomCom. Handlung und Erzählstil von Gelbe Monster sind banal und schaffen es leider nicht, Spannung zu erzeugen. Die Charaktere sind schablonenhaft, eindimensional. Ihr Handeln dient einzig dazu, die konstruierte Handlung voranzutreiben, ihre Motivation ist wenig nachvollziehbar. Was der Autorin gelingt: Aggression und Gewalt so langweilig zu präsentieren, dass beim Lesen das Gefühl entsteht, sie gehören in einen normalen Alltag – und so bildet der Roman, bewusst oder unbewusst, die erschreckende Statistik ab.
Kathrin Ivancsits
Clara Leinemann: Gelbe Monster. 191 Seiten, Suhrkamp, Berlin 2026 EUR 22,70
