Sex, Lies and Female Revenge

„Warum glauben alle, dass Gleichberechtigung bedeutet, sich beim Kloputzen abzuwechseln?”, fragt die Ich-Erzählerin in Bianca Jankovskas Buch Fuckgirl. „Gleichberechtigung bedeutet, dass zunächst das Minus, das Defizit, in dem Frauen aufwachsen und sozialisiert werden, in einer heterosexuellen Beziehung ausgeglichen wird, bevor wieder Anforderungen an uns gestellt werden.“ Äußerst konsequent folgt die Protagonistin dieser Prämisse: Sie lebt in einer einseitig offenen Ehe – das gibt ihr die Möglichkeit, Rache für Frauen zu üben, die von ihren Männern betrogen werden. Aber sie sucht auch andere sexuelle Begegnungen – und trifft dabei auf einen Mann, der ihre Glaubenssätze ins Wanken bringt. Um das Politische des Privaten zu betonen und den Plot von der individuellen auf die gesamtgesellschaftliche Ebene zu heben, werden die Protagonist:innen anonymisiert: „Mann“ ist der loyale Mitstreiter beim Rachefeldzug gegen das Patriarchat, „Loser“ eine von vielen Enttäuschungen auf dem Weg und „Befreundetes Heten-Pärchen“ Projektionsfläche für die eigene Beziehung. Wortgewaltig, zugespitzt und sehr zeitgeistig beschreibt die Autorin die Lebenswelt der Ich-Erzählerin. ‚Show, don’t tell“ ist ihre Sache nicht, und so gibt es viel Raum für eine zwar oft schmerzhaft treffende, aber etwas akademisch geratene Analyse der Verhältnisse und wenig Platz für Erkenntnisse zwischen den Zeilen. Am Ende bleibt die Frage: Kann es überhaupt eine Beziehungsform geben, die nicht an den Widersprüchen der Liebe scheitert?
Katharina Bacher

Bianca Jankovska: Fuckgirl. 296 Seiten, Haymon Verlag, Innsbruck 2026 EUR 26,90