Überwachen und Vorbeugen

Was wäre, wenn Verbrechen verhindert werden könnten, bevor sie geschehen? In Laila Lalamis Das Dream Hotel ist das bereits möglich. Der Roman ist in einer Zukunft angesiedelt, in der es eine Impfung gegen Krebs gibt und Alzheimer geheilt werden kann. Auch Kriminalität ist weitgehend eingedämmt, weil ein Amt für Risikobewertung mögliche Verbrechen durch die Analyse von Traumdaten der gesamten Bevölkerung weltweit verhindert. Allerdings läuft das nicht ganz reibungslos ab. Immer wieder kommt es zu Fehlbewertungen. So auch im Fall von Sara Hussein. Sie wird bei der Rückkehr von einer Geschäftsreise am Flughafen von Los Angeles festgehalten. Ihr wird aufgrund ihrer von der Behörde gescannten, nächtlichen Träume vorgeworfen, dass sie eine Gefahr für ihren Ehemann – und in der Folge auch für die gemeinsamen Zwillinge – sein könnte. Zur Sicherheit kommt Sara in ein Lager. Aus den ursprünglich drei Wochen wird ein ganzes Jahr, denn immer mehr Verfehlungen erhöhen den ‚Risikowert‘ Saras und verzögern ihre Entlassung. Zu den Schikanen und Entwürdigungen im Lager kommt noch, dass Saras Mann ebenfalls an der Unschuld seiner Frau zu zweifeln beginnt. Allein die Solidarität unter den Lagerinsassinnen lässt Sara durchhalten. Laila Lalamis Roman handelt in einer düsteren Zukunft der permanenten Überwachung. Das Erschreckende ihrer Dystopie ist, dass dieses Horror-szenario gar nicht so weit entfernt sein könnte.
Ute Fuith

Laila Lalami- Das Dream Hotel. Aus dem Engl. von Michaela Grabinger. 490 Seiten, Kein & Aber, Zürich/Berlin 2025 EUR 27,50