Fortsetzung von 1984, Traum oder Albtraum?
Kajus, unser Held in der neuen Welt, beschreibt nüchtern und detailliert seinen Alltag. Wir erfahren dabei, dass er alleine in einer kleinen Wohnung lebt und diese auch kaum verlässt. Er ist Single und hat fast ausschließlich virtuellen Kontakt zu anderen Personen. Auch seine Arbeit erledigt er von zu Hause aus. Wir erfahren, wie es dazu kommen konnte, dass sich die Menschen der vollständigen Überwachung unterwarfen. Zwei große Pandemien, die Klima- und eine Wirtschaftskrise führten letztendlich dazu, dass die Bewohner sich selbst in die Isolation begaben, ja diese sogar begrüßten. Körperliche Arbeit wird von Robotern erledigt, die Menschen müssen sich nicht mehr plagen, die Zufriedenheit ist aber dadurch nicht gestiegen. Auf Wunsch können Menschen zumindest kurzfristig auch in ihre Vergangenheit reisen. Die künstliche Intelligenz bestimmt das Leben der Menschen, Wünsche und Sehnsüchte werden auf Knopfdruck befriedigt. Als Kajus in die „Bubble“ – das Zentrum der Macht – berufen wird, bemerkt er, dass die virtuelle und reale Welt immer mehr verschmelzen. Die Sprache ist nüchtern und klar, wir lernen durch die Veränderungen, die der Held erlebt, wie sich seine Einstellung ändert. Dieses Buch nimmt die Leser_in mit auf eine anstrengende und packende Reise. Es ist keine leichte Kost, aber sowohl inhaltlich als auch sprachlich sehr zu empfehlen.
Ida Renko
Une Kaunaite: 2084. Aus dem Litau. von Markus Roduner. 248 Seiten, Mitteldeutscher Verlag, Halle 2026 EUR 20,00
