All das ist vergangen

Die Schuldlosen erzählt vom Aufwachsen der Geschwister Iris und Relja im kroatisch-bosnischen Grenzgebiet nach den Balkankriegen. Zwischen zerstörten Dörfern, gesellschaftlicher Orientierungslosigkeit sowie jugendlichem Verlangen und Zuneigung suchen sie ihren Platz und ein eigenes Leben. Es ist vor allem Iris Blick, dem gefolgt wird, und Iris Körper, dessen Verletzlichkeit zu spüren ist. Trotz seiner fast 300 Seiten hätte ich das Buch gerne an einem verregneten Sonntag in einem Stück gelesen, um vollständig in die Geschichte einzutauchen. Denn man muss nicht nur in den Stil hineinfinden, sondern es ist auch nicht leicht, den Beziehungen von Iris zu ihrem Umfeld zu folgen. Vieles wird nur angedeutet. Es gibt teilweise sehr lange Sätze, die dann wieder in mehrere Verse geteilt werden. Letztlich wird die ganze Fülle der Sprache genutzt, um die Emotionen der Protagonistin zu erfassen. Eine beeindruckende Schönheit und Traurigkeit des Ausdrucks.
Agnes Sieben

Ena Katarina Haler: Die Schuldlosen, Aus dem Kroat. von Klaus Detlef Olof. 282 Seiten, Folio Verlag, Wien 2026 EUR 25,00