„Colonialism only has one line—destroy“ 

Kolonialismus und Versklavung sind die Kehrseite eines weißen Humanismus, so die Einleitung zu dem englischsprachigen Sammelband, der sich in vier Abschnitten den erkenntnistheoretischen Auswirkungen postkolonialer, dekolonialer und Schwarzer Kritik auf das gesellschaftspolitische, kulturelle und philosophische Erbe der Moderne widmet. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der drei titelgebenden Ansätze zeichnet Walter Mignolo im ersten Teil zu „epistemic repercussions“ nach. In „ethical reassessments“ setzt sich etwa Sabine Broeck mit „Blackness“ im weißen europäischen Denken und mit europäischer weißer kollektiver Erinnerung auseinander. Sérgio Costa schlägt im Abschnitt „disciplinary reconfigurations“ vor, die Soziologie durch post-koloniale Beiträge zu „de-provinzialisieren“. Auf Basis einer Kritik des Ethnozentrismus der Gender Studies und des Androzentrismus postkolonialer Theorie arbeitet Gabriele Ditze die Überschneidungen der beiden Felder heraus. Beatrice Michaelis und Elahe Haschemi Yekani erarbeiten eine queere Kritik aktueller gesellschaftlicher Verarbeitungsprozesse rassistischer Geschichte. In ihrem akademisch-literarischen Beitrag zum Abschnitt „cultural revisions“ lässt Rozena Maart zwei Frauen, eine Teil der Black Panthers in den USA und die zweite Teil des Black Consciousness Movement in Südafrika, zu Wort kommen. Der Sammelband gibt mit vielen weiteren tollen Beiträgen einen vielfältigen Einblick in Fragen der Postcolonial, Decolonial und Black Studies und skizziert so Stoßrichtungen dieser drei Zugänge.

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Postcoloniality – Decoloniality – Black Critique. Joints and Fissures. Hg. von Sabine Broeck und Carsten Junker. 394 Seiten, Campus, Frankfurt/M.-New York 2014 EUR  41,10