Identität als Prozess

In ihrer Dissertation erforscht die Therapeutin und Wissenschaftlerin Cinur Ghaderi die Selbstverortung kurdischer MigrantInnen aus dem Irak in Deutschland. Dazu interviewt sie neun Frauen und 15 Männer, die in Deutschland leben und in unterschiedlichen kurdischen Organisationen und Parteien aktiv sind. Neben politischer Identität und Ethnizitätsentwürfen stehen dabei Geschlechterentwürfe im Vordergrund. Positionierungen sind nicht als starre Konzepte gedacht, sondern die Autorin arbeitet deren Veränderungen in der Migration im Gegensatz zum Herkunftsland heraus. Bei allen Fragen werden die Bedeutung der irakisch-kurdischen Community in Deutschland und die Wahrnehmung der Sichtweise der deutschen Mehrheitsgesellschaft mitgedacht. Die Reflexion ihrer Position als Forscherin, die zugleich Teil dieser Gemeinschaft ist, zieht sich durch die Arbeit. Ghaderi selbst wurde im Irak geboren und flüchtete als Kind mit ihrer Familie über den Iran nach Deutschland.

Einleitend bietet sie einen kurzen, informativen Abriss der Geschichte der KurdInnen im Irak, sowohl unter der Baathregierung als auch unter der Autonomiebehörde. Besonderes Gewicht misst sie den Geschlechterverhältnissen zu. Dazu umreißt sie den aktuellen Forschungsstand und stellt die veränderte Gesetzeslage vor.

Abschließend gliedert sie die unterschiedlichen Verortungskonzepte nach Typen, wobei sie die gewählten Möglichkeiten der Positionierung differenziert nachzeichnet und damit eine Vielfalt politischen Denkens und Handelns aufzeigt. Ein wissenschaftliches Buch, das auch für Nichtwissenschaftlerinnen interessant und gut zu lesen ist. Sena Dogan

Cinur Ghaderi: Politische Identität – Ethnizität – Geschlecht. Selbstverortung politisch aktiver MigrantInnen. 411 Seiten, SpringerVerlag, Wiesbaden 2014 EUR 51,39