Mutig und ohne Furcht
„Es gibt spezielle Beeren im Schilf der Langen Lacke im Seewinkel. Sie blühen und tragen Früchte zugleich und wenn man die isst, kann man Psychosen bekommen.“ So sieht Nature Writing bei Stefanie Frank aus. Ihre autobiografische Erzählung Immer wenn ich mit Jesus chille ist eines der beeindruckendsten Selbstbildnisse, die die österreichische Literatur zu bieten hat. Wenn man schreibt, dass das ein Buch über eine Künstlerin ist, die davon erzählt, dass sie Psychosen hat, dann ist das wahr – und doch klingt es falsch. Weil dabei Bilder entstehen, die nicht dem Zauber dieser Erzählung entsprechen. Stefanie Frank, Künstlerin, Antifaschistin, Burgenländerin und alles Mögliche andere, schreibt aus ihrem glitzernden Superhirn die eigene Geschichte auf. Und weil sie nicht im luftleeren Raum lebt, weil sie im Gegenteil sehr empfängliche Antennen hat, schreibt sie damit auch die Geschichte derer, die sie umgeben: „Ich habe mir in diesen zehn Jahren, seit ich das erste Mal eine Psychose erfahren habe, sehr viel anhören müssen an Verurteilungen.“ Frank erzählt liebevoll von den psychotischen Phasen, in denen sie mit Hitler in Streit gerät und Jesus um Hilfe bittet – und genauso liebevoll von den Menschen, die versuchen, ihr die Hand zu reichen. Und über ihr starkes Selbst: „Mutig und ohne Furcht wanderte ich durch das finstere Tal.“
Lisa Bolyos
Stefanie Frank: Immer wenn ich mit Jesus chille. 144 Seiten, edition lex liszt 12, Oberwart 2026 EUR 22,00
