Spiel und Tod
Megan Nolans Roman erzählt uns die Geschichte einer irischen Familie, die aufgrund einer ungewollten Schwangerschaft von Waterford nach London zieht. Carmel, die schwanger geworden ist, zieht sich in sich selbst zurück und stößt ihr Kind ab. Ihr Bruder und Vater versinken in Lethargie und Alkoholismus, während die Mutter als Einzige die Familie bis zu ihrem Tod wenigstens oberflächlich zusammenhält. Das Kind, Lucy, muss für sich alleine sorgen und wird immer mehr vernachlässigt. Dann jedoch stirbt ein anderes Kind in der Nachbarschaft – und Lucy war als Letzte mit ihm zusammen. Der Roman beginnt voller atemloser und haarscharfer Beschreibungen über Klasse, Pressegier, Vorurteile, Ausnutzungen und gescheiterte Leben. Wir folgen den drei Personen Carmel, ihrem Bruder und ihrem Vater in ihre jeweiligen Vergangenheiten und Gegenwarten, um herauszufinden, wieso sie aufgegeben haben. Dies geschieht aber zum Großteil durch die Brille eines Journalisten, der uns immer wieder daran erinnert, dass auch wir als Leser:innen gierig sind: auf die Abgründe, auf die Erklärungen für die Schlechtheit in den Menschen. Das Buch fesselt und verliert dann am Ende leider ein wenig an Präzision und Erzählstruktur. Dennoch eine packende Empfehlung!
Nike
Megan Nolan: Kleine Schwächen. Aus dem Engl. von Stefanie Ochel. 255 Seiten, Kjona Verlag München 2026 EUR 24,70
