Ulaya mzungu: Europäisches Weiß

Die Erzählung beginnt mit dem Rückflug von Sansibar nach Amsterdam. Die Autorin ist eine Reisende und hat Sansibar vor ein paar Jahren für sich entdeckt. Zurück in Europa und wieder in der kalten Wiener Wohnung wirft Karin Ivancsics einen sehnsuchtsvollen Blick zurück auf ihre zahlreichen Begegnungen mit Sansibari und Leuten, die Sansibari werden wollten, mit (Gast-)Arbeiter_innen und Geschäftsleuten, mit Toten und Lebenden. Eine persönliche Auseinandersetzung mit Geschichte und Kultur, Politik und Religion und nicht zuletzt mit dem Tourismus beginnt. Die Autorin schildert Gespräche mit Svenja, mit Samuel, einem Masai, der verheiratet ist, und mit dem Taxifahrer Haji, der ihr Einblick in den häuslichen Alltag seiner Familie gewährt. Sie thematisiert Genitalverstümmelung, Prostitution, patriarchale sowie kolonialistische Hegemonie. Nicht zuletzt kritisiert sie das respektlose Verhalten von Touristinnen (sic!), denn Karin Ivancsics ist selbst stets bemüht um Respekt und Aufrichtigkeit. Dieses Bemühen kippt an einigen Stellen ins Belehrende, wenn die Autorin ihr eigenes Verhalten, ihre Wahrnehmung und ihre Schlussfolgerungen als absolut und richtig erscheinen lässt, und dabei bewusst oder unbewusst keinerlei Bezug zu aktuellen politisch-feministischen Debatten herstellt. Umso mehr regt die Lektüre des Textes dazu an, der Geschichte und dem Leben auf der Insel Sansibar durch eigene Recherche und Begegnungen auf den Grund zu gehen.
anita inzinger

Karin Ivancsics: Sansibar. Erkundungen eines Paradieses. 180 Seiten, Milena, Wien 2025 EUR 25,00