So voller Hass, das muss Liebe sein.
Dass Hass ein hauptsächlich Männern zugeschriebenes Gefühl ist, veranlasste Lydia Haider – ihrerseits altbekannte Meisterin der Ausfälligkeit und Beschimpfung – zur Herausgabe dieses Bandes, in dem sie 15 Künstlerinnen zur Niederschrift ihrer persönlichen Hassgefühle einlud. Entstanden ist ein abwechslungsreiches Sammelsurium von Texten unterschiedlichster Art: Kurzgeschichten, Rap-Texte, Facebook-Postings, (un-)vollständige Listen und schonungslose Anklageschriften bieten der Leserin die Möglichkeit, sich ausgiebig in hasserfüllter Abneigung zu suhlen. Die kurzweilige Lektüre verschafft Abhilfe bei angestauter Frustration gegenüber dieser patriarchal-konservativen, anscheinend hauptsächlich von Idioten bevölkerten Welt, bei Missmut gegenüber irrsinnigen gesellschaftlichen Konventionen oder besorgniserregenden politischen Entwicklungen. Nebenbei hinterlassen die Texte bei der Leserin das angenehme Wissen, dass sie sich nicht ganz allein mit diesem ganzen Bullshit herumärgern muss. Frauen hassen – auf verschiedenste Weise! Und ab und zu auch sehr humorvoll. P.S.: Dank seines extra harten Einbands eignet sich dieses hübsche Büchlein gegebenenfalls optimal zur Unterstützung im feministischen Schlagabtausch.
ReS
Lydia Haider: Und wie wir hassen! 15 Hetzreden. 157 Seiten, Kremayr & Scheriau, Wien 2020, EUR 19,90