Erinnerungen an Erinnerungen
Chave M. ist Expertin der „Temporal Eternity Collection” des Instituts „Anamnísis”, das wiederum zum „Hybrid College” gehört. Ihr Job ist es, Erinnerungen zu archivieren. Eine Audiodatei namens Gespensterprotokolle wird ihr zugesandt, von Louise, die – ausgehend von ihrer Suche nach der Dichterin Xenia in Kosmo, einem abgelegenen Dorf in Griechenland – ihre Gespenstwerdung beschreibt, aber zugleich leugnet, die Datei geschickt zu haben. Chave beschließt, eine mehrmonatige Investigationsexpedition nach Kosmo zu unternehmen, um vor Ort in der Vergangenheit die Widersprüche aufzuklären. Wir befinden uns im Jahr 2048, reisen zurück nach 2023, springen dann im sich stetig verändernden Kosmo über 2036 nach 2063 und wieder zurück. Der Bericht, den Chave über ihre Investigationsreise abliefert, übersteigt deutlich die erwartete Mindestzeichenanzahl von 20.000, aber von einem Maximum war ja auch nie die Rede – sie legt gleich ein ganzes Buch vor. Und es ist wiederum ein großartiges Buch, das Isabella Breier hier geschrieben hat, das sich des Zustands der Welt und der Wahrhaftigkeit von Erinnerungen auf ganz besondere Art annimmt. Eine Lesereise, die Konzentration verlangt und dafür reich belohnt!
Gabriele Mraz
Isabelle Breier: Kosmo. 328 Seiten, Septime, Wien 2026 EUR 26,50
