Jenseits der Psychoanalyse
Kommt eine nichtbinäre Person zur Psychoanalyse … das ist kein Witz … passiert aber in der Realität eher selten, berichtet die in Berlin praktizierende Psychotherapeutin Susanne Schade anhand eines ihrer Fallbeispiele, weil: die klassische Psychoanalyse, normativ heterosexuell, bietet für diese Person keinen „safe space“. Dies muss – so die Intention ihres Buches – zur Diskussion bzw. in Frage gestellt werden! Nichtbinäre oder Trans-Personen dürfen in einem Therapiesetting nicht weiter diskriminiert, ihre (Nicht-)Genderidentität(en) nicht pathologisiert werden. Dies stelle „die Psychoanalyse auf den Kopf“ und wirft die Frage auf, wie eine Revolution in der Psychoanalyse gelingen kann, wenn eine andere Psychoanalyse dabei herauskommt … aber die Autorin ist davon überzeugt, dass z.B. das Konzept der Intersektionalität, also von Mehrfachdiskriminierungen, nicht vor der Psychoanalyse halt machen darf. Dazu gibt es ein Kapitel über die „Verflechtungen von Race und Klasse“, in dem sie in ihrem Fallbeispiel Freud mit Butler, Reich, Fenichel u.a.m. erweitert. Kritische Analyse auch zur „Würde der weiblichen Sexualität“ in einem Abschnitt betitelt „Der Ursprung der Welt“, wo sie gegen das misogyne Defizitkonzept von Freud (wie seinem Apologeten Lacan) die Fähigkeit des Gebärens ins Treffen führt und K. Horney, J. Benjamin, M. Mitscherlich und L. Irigaray diskutiert. Ein weiteres Fallbeispiel behandelt „Gefühlserbschaften des Nachkriegsdeutschlands“, also generationenübergreifende Traumata und verdrängte Schuld. Lohnende Lektüre für Fach- wie interessierte Laienpersonen!
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Susanne Schade: Revolution in der Psychoanalyse. Intersektionale Perspektiven. 121 Seiten, Brandes & Apsel, Frankfurt 2025 EUR 24,90
