Vergessene Leben und die Poesie

Senta Trömel-Plötz ist bekannt als Mitbegründerin der feministischen Sprachwissenschaft. In ihrer neuesten Veröffentlichung „Wortstücke“ rekonstruiert Trömel-Plötz Geschichten von Frauen, die trotz ihrer Genialität und herausragenden Leistungen keine Anerkennung fanden. Meist standen diese Frauen im Schatten eines erfolgreichen Mannes und fanden ihren „Tod“ durch Heirat, durch Vergessen oder Abwertung. Sehr treffend zitiert Trömel-Plötz Ingeborg Bachmann: „Man stirbt ja auch nicht wirklich an Krankheiten. Man stirbt an dem, was mit einem angerichtet wird.” Die Qualität des Buches ist, dass die Zusammenhänge und die Wiederholung dieser Frauen-Schicksale sich nicht über eine einfache Aufzählung von biografischen Fixpunkten, sondern über eine sehr persönliche, essayistische, lyrische Schreibweise der Autorin aufbereitet finden. Ein Buch, in dem frau eintauchen und wieder auftauchen kann. Es zeigt sich immer ein ähnlich dramatisches Bild, die Autorin endet die Erzählung jedoch schließlich mit ihrer eigenen, ermutigenden Lebensgeschichte und mit dem Aufruf zu einem leidenschaftlichen Leben. Ein Buch, das die materiellen und gesellschaftlichen Bedingungen einer historischen Unterdrückung der Frauen stark in den Fokus nimmt. Die Fülle und Komplexität der Lebenskonzepte berühren ebenso wie die Poesie von Luisa Famos oder Rose Ausländer, die die Erzählungen unterbrechen und in denen frau und wie es scheint auch die Autorin ein bisschen Trost finden können.

Christina Kehrer

Senta Trömel-Plötz: Mileva Einstein-Mari und andere geniale Frauen. Wortstücke. 227 Seiten, Christel Göttert Verlag, Rüsselsheim /M. 2019, EUR 17,50