Verständnis und Entgegenkommen

In der Droschl-Reihe Gedankenspiele über denkt Eva Menasse über den Begriff und die (politische) Anwendbarkeit von Kompromissen im Großen wie im Kleinen nach. Um es vorwegzunehmen: für Menasse sind Kompromisse notwendig und wichtig, weil nur so die Gewaltförmigkeit von Auseinandersetzungen vermieden werden kann. Zwei Begriffe sind dafür von zentraler Bedeutung: zum einen muss man, um einen Kompromiss zu finden, miteinander sprechen. Sprache figuriert hier als (einziges) Mittel der Überwindung kriegerischer bzw. gewalttätiger Auseinandersetzungen. Zum anderen setzt Kompromissbereitschaft voraus, den anderen zuzuhören, ihre Meinung überhaupt verstehen zu wollen, um sie dann mit der eigenen in Beziehung zu setzen. Das Wichtigste beim Kompromiss ist für Menasse aber, dass von einem echten Kompromiss die Rede ist und nicht von einem Handel zum Zwecke der Erhaltung eigener Vorteile. Diesen erkenne man daran, dass er weh tue und dass beide Kompromissparteien einander zu gleichen Teilen entgegenkommen müssen. Den erwartbaren Einwand, dass es mit manchen Meinungen, Haltungen und Positionen keinen Kompromiss, kein Verständnis, keine Annäherungsbereitschaft geben dürfe, versucht Menasse damit zu entkräften, dass das zwar stimme, die Gesprächsbereitschaft und der Versuch, die andere Position zu verstehen, wenn auch nicht zu akzeptieren, unabdingbar für jedwede politische Problemlösung seien. Inwieweit das nicht nur für Corona, sondern auch für Eroberungskriege gilt, wäre zu diskutieren.
SaZ
Eva Menasse: Gedankenspiele über den Kompromis. 45 Seiten, Droschl, Graz 2020 EUR 10,00