Basteln an der Wirklichkeit

Judith Kuckarts autobiografischer Roman verfolgt innerhalb von zwölf Theaterkantinengesprächen mit einer imaginierten Person, der vormaligen Nachbarin in ihrer Kindheit Eva K., ihre Lebensgeschichte. Die Autorin verarbeitet in einem stream of consciousness Nachrichten und persönlich gelebte Geschichte. Begegnungen mit verschiedensten Familienangehörigen, Freundinnen und Tänzerinnen, mit denen sie auf der Bühne stand, werden originell, immer mit Pointe, rekonstruiert. Dabei geht es nicht um einen chronologischen roten Faden, sondern um die persönliche Prägung.

Eva K. hat bereits, als Judith noch ein Kind war war, erkannt, dass diese Tänzerin wird. „Denn Tanz ist etwas für Kinder, die später im Leben nun mal nicht zurechtkommen“. Judith wird experimentelle Tänzerin bei Pina Bausch, später Schriftstellerin. Bunt werden historische Ereignisse aus der BRD (z.B. die Rote-Armee- Fraktion) in ihre persönliche Geschichte eingebettet. Unterschiedlichste Persönlichkeiten prägen zufällig Judiths Lebenslauf und entfernen sich von ihr wieder durch andere von ihnen gewählte Lebensweisen oder durch Tod. Die einzelnen Episoden werden von einer intensiven Schilderung der Orte und der Charakterisierung der weiteren Protagonistinnen begleitet. Stimmungen werden erzeugt, so dass Judiths Leben in seiner Vielfalt und Unberechenbarkeit charakterisiert wird. Eine radikalkonstruktivistische kurzweilige Annäherung, die uns darüber aufklärt, dass wir selbst Verantwortung tragen, aus uns etwas zu machen.

ML

Judith Kuckart: Die Welt zwischen den Nachrichten. 190 Seiten, DuMont Buchverlag, Köln 2024 EUR 24,70