Berührende Brückenschläge

Beeindruckend an diesem Roman der jungen Schriftstellerin Helene Bukowski ist nicht nur die Thematik, sondern auch die exzeptionelle Erzählweise. Anhand von hinterlassenen Dokumenten rekonstruiert die Erzählerin das kurze, aber intensive Leben von Christina: Vom Vater in der DDR als musikalisches Wunderkind aufgezogen, geht sie von der Berliner Spezialschule ans Moskauer Konservatorium, um Pianistin zu werden. Die hohen Erwartungen zwingen das Kind und die junge Frau in die Einsamkeit des Musiker:innendaseins – geprägt vom endlosen Üben, Konkurrenzdruck, aber auch beglücktem Eintauchen in den Kosmos der Musik. Nach einer erniedrigenden Erfahrung begeht Christina mit Anfang 20 Selbstmord. Bukowski begleitet ihre Protagonistin und deren Familie in dieser feinen biografischen Recherche liebevoll und dem Umfeld gegenüber kritisch, immer wieder setzt sie die eigene Nachwende-Identität in direkten Bezug zum erzählten Leben. Vollkommen zurecht hat es Bukowski mit diesem Buch auf die Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse 2026 geschafft.
Judith Staudinger

Helene Bukowski: Wer möchte nicht im Leben bleiben. 380 Seiten, Claassen, Berlin 2026 EUR 24,70