Gott hat seine Rechnung ohne die gemacht, die nicht teilen wollen
Das sagt Aharon, dessen konservative Eltern Siedler sind, der zeitweilig Aktmodell steht und als einziger in der Siedlung die Vereinigte Liste gewählt hat. Es sagt es zu Jonathan, dem Ultraorthodoxen, der sich am Donnerstagabend die Pejes über dem Kopf zusammenbindet, die Tzitzit in die Hose steckt und Techno tanzt. Aharon und Jonathan sind nicht die Einzigen in Sara Klatts Buch, die scheinbar so widersprüchlich sind wie das Land, das sie uns zeigen will: Israel. Es sind die Menschen, durch die sie uns dieses Land zeigt. Yael, die Lesbe, die die KZ-Nummer ihres Großvaters auf ihrem Arm tätowiert hat. Der wiederum lädt die jungen Deutschen, die sie im Techno Club kennengelernt hat, am Shabbat zu sich ein, weil er die kennenlernen möchte, die das Studium seiner Enkelin bezahlen. Mustafa, dessen Mutter Christin und dessen Vater Muslim ist, der eine Jüdin geheiratet hat und es hasst, einen Zaun bauen zu müssen. Meitav, die einen Schönheitssalon besitzt und einen Miss Holocaust Survivor Schönheitswettbewerb organisiert. Der Beduine Abdallah, mit dem sie sich am Donnerstag vor ihrer Schicht in Rafis Bar trifft und der ihr jeden Donnerstag ein Huhn schenkt. Und natürlich Rafi selbst. Und viele mehr. Allen ist gemeinsam, dass sie in Frieden miteinander leben wollen. Wortgewaltig. Lesenswert.
Renate Charvat
Sara Klatt: Das Land, das ich dir zeigen will. 395 Seiten, Penguin, München 2024 EUR 24,70