Multipel und queer

In ihrem Debütroman erzählt Akwaeke Emezi die Geschichte von Ada, deren Eltern Igbo und Tamilen sind. Sie wird im Süden von Nigeria geboren und verbringt dort ihre Kindheit. Als Jugendliche übersiedelt sie in die USA, besucht ein College und studiert anschließend Veterinärmedizin. Das alles klingt nach einer ganz gewöhnlichen Kindheit und Jugend. Aber Adas Persönlichkeit ist ein singuläres Kollektiv bzw. ist sie ein plurales Individuum. Nach einem traumatischen Erlebnis während ihrer Studienzeit tauchen verschiedene Ichs von Ada auf, verkörpert als Ogbanje, was in Odinani, der Sprache der Igbo, ein Kind, das kommt und geht, bedeutet – übertragen kann ein Ogbanje als böser Geist verstanden werden. Akwaeke Emezi ist ein spannender und vielschichtiger Roman über Abspaltungen und Verschiebungen von Persönlichkeitsstrukturen gelungen. Er ist autobiografisch angelegt. Großartig ist, dass es nicht um Leid und Opfertum geht. Empower­ment für alle, die psychisch krank sind oder es einmal waren und eine Abrechnung mit dem essenziellen Selbst.

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Akwaeke Emezi: Süßwasser. Aus dem amerik. Engl. von Anabelle Assaf und Senthuran Varatharajah. 288 Seiten, Eichborn, Köln 2018 EUR 24,70