Unüberschaubare Welten

Zwölf Jahre zuvor war die Ehe zwischen der Alleinerzieherin Marianne und dem bekannten Schriftsteller Dennis gescheitert. Die sechzehnjährige Edie und die vierzehnjährige Mae wohnen vorübergehend bei Dennis, nachdem ihre Mutter einen Selbstmordversuch unternommen hat und in der Psychiatrie ist.
Beide Töchter sind parteilich, während Edie sich gegenüber ihrem Vater kritisch und abweisend verhält und schließlich nach Louisiana aufbricht, um Marianne aus der Psychiatrie zu befreien, versucht Mae mit allen Mitteln, die Sympathie und volle Aufmerksamkeit ihres Vaters zu gewinnen. Die beiden pubertierenden Schwestern entfernen sich in dieser Phase ihres Lebens voneinander. Der Roman ist wie ein Tribunal multiperspektivisch verfasst, neben den sich abwechselnden Gedanken der Schwestern wird die Sicht für die Leserin von der Wahrnehmung der anderen Beteiligten objektiviert. Ein lesenswertes Familiendrama, welches fein ziseliert, dass die Klärung, wer für einen emotionalen Missstand verantwortlich ist, oft eine Frage der Perspektive und nicht eindeutig zuweisbar ist. Wahrheit ist nur eine Meinung!

ML

Katya Apekina: Je tiefer das Wasser. Aus dem Engl. von Brigitte Jakobeit. 396 Seiten, Suhrkamp, Berlin 2020, EUR 24,70