Hubots und Suizid in Berlin

Ein Hubot ist eine künstliche Intelligenz in einem mehr oder wenig täuschend nachgemachten menschlichen Körper. Die Menschen der Großstadt lassen sich Hubots programmieren, mit denen sie in Beziehungen leben. Bei Trennung wird der Hubot weitergegeben oder verschrottet. Dennoch (oder gerade deshalb?) – die Selbstmordrate steigt, und aufgrund fehlender oder unwilliger Angehöriger werden die Kosten der Begräbnisse eine zunehmend große Belastung für die Allgemeinheit. Die Polizei lässt dafür den Hubot Roberta programmieren, eine mittelalte, unscheinbare Frau mit Brille, die mit vielen nützlichen Programmen ausgestattet ist, sie soll ja selbsttätig ermitteln können. Ihr erster Fall ist Lennard, ein Taucher und Künstler, der zusammen mit Second-Hand-Hubot Beata gelebt hat. Roberta verbeißt sich in die Ermittlungen, ihr ist klar, dass ihr Leben von der Bezahlung des Begräbnisses abhängt. Ihre Methoden gehen weit über die ihrer menschlichen Kolleg_innen hinaus. Grenzen jeglicher Art verschwimmen, werden bewusst durchbrochen und verschoben. Wunderbar stimmig das Zitat am rückwärtigen Buchdeckel: „Wovor habt ihr denn mehr Schiss, vor einer intelligenten Frau oder vor einer intelligenten Maschine?“ Große Empfehlung für dieses gut geschriebene Buch, das uns einen Schritt näher an eine unserer technologisch möglichen Zukünfte bringt und zugleich dem Kern von Menschlichkeit nachspürt.
gam
Emma Braslavsky: Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten. 272 Seiten, Suhrkamp, Berlin 2019 EUR 22,70