Kategorie: Belletristik

Die Seile meiner Seele

Sie ist Migrantin. Sie ist Schwarze Wienerin. Ishraga Mustafa Hamid lässt uns teilhaben an ihren Alltagserfahrungen, die geprägt sind von Freundschaft und Feindschaft, von Nachbarschaftshilfe und Rassismus. Die Suche nach einer Identität steht im Mittelpunkt. „Wer bin ich? Die Identitätserfahrungen sind in Österreich in mir explodiert.“ Sie wählt dafür die...

Bitte laut lesen!

Ein Rhythmus, wo frau mit muss oder ein beredtes Bespiel, für das nie enden wollende, immer weiter fabulierende Sprechen der Sprache selbst, nicht das Vollkommene: ein wunderbares, tönendes, auch abgründiges sinnliches Schwelgen in Sinn und Unsinn, ein letztes Wort nach dem anderen, immer wieder verwandt, umgewandt, gewandet, immer wieder von...

Sublim

Gleich vorab gesagt: Anne Carson lesen heißt, sich auf Sprünge zwischen Antike und Gegenwart einzulassen und bitte keine Angst vor Bezügen zu klassischen Topoi oder „Gott“ an sich zu haben. Anne Carson lesen heißt, sich auf das textliche Zusammenspiel der Gattungen Gedichte, Oper und Essays einzulassen. Die kanadische Autorin, Jahrgang...

Ein Baum werden

Auch der dritte Band der Werkausgabe der 2009 verstorbenen österreichischen Literatin Elfriede Gerstl umfasst eine interessante inhaltliche Auswahl unterschiedlicher Textsorten der Literatin. Es wird ihre Schaffensperiode von 1995-2006 rekonstruiert. Es sind Gedichte, Geschichten, Wortspielereien oder Gedankensplitter von ihr oder ihrem Lebensgefährten Herbert Wimmer, von dem auch einige Fotos von Gerstl...

verdichtete begegnungen

Erstaunlich dicht sind die 15 Geschichten mitten aus dem Leben, und mitten ins Leben hinein, das gebrochen ist und wird und sich doch immer wieder neu zusammensetzt. Man möchte die brillant aus dem Ungarischen übersetzten Zeilen dehnen, um vom Davor und Danach der kantigen Figuren und ihrer Wege ein wenig...

Heimatlos

In 14 Erzählungen lässt uns Ilma Rakusa am Schicksal von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen teilhaben. Sie alle haben eines gemeinsam: sie sind Heimatlose, vom Leben Gezeichnete, NomadInnen auf der Suche nach ein wenig Glück und Geborgenheit. Trotz des melancholischen Grundtenors der Geschichten blitzt immer wieder Hoffnung auf, gibt es Augenblicke...

Inter*geschlechtlichkeiten in Erzählungen

Anliegen des von Angelika Baier und Susanne Hochreiter herausgegebenen Sammelbandes ist es, die verschiedenen (vor allem zeitgenössischen) Erzählungen zu Intergeschlechtlichkeit – d.h. disziplinär unterschiedlich verorteten, wissenschaftlichen ebenso wie rechtlichen, wie fiktionalen, wie autobiografischen Erzählungen – gerade in ihren Verstrickungen zu reflektieren. Denn ebenso wie wissenschaftliche Diskurse sich häufig auf sogenannte...

Heaznodfall und Bauntscheim

Die Dialektautorin El Awadalla hat sich 24 Stunden lang ins Wiener Allgemeine Krankenhaus (AKH) gesetzt und den Leuten zugehört. Dabei herausgekommen ist eine Sammlung von 101 Dialogen, verfasst im tiefsten Dialekt mit einem ausführlichen Glossar, damit auch nicht dialektkundige Leser_innen verstehen, worum es geht. Die Dialoge liefern in ihrer Konzentration...

Glückliche Frauen

In Tessa Müllers Erstlingswerk tummeln sich gar wundersame Frauen aller Altersgruppen, die auf ungewöhnliche Arten versuchen, mit alltäglichen Herausforderungen (verlassen, erwachsen, gesund werden, baden gehen, sich unglücklich verlieben) zurande zu kommen. So erheiternd und schräg die Geschichten sind, es fällt auf, dass die überwiegende Mehrheit der Protagonistinnen zu einem Mann...

Überraschungen und Unverzeihliches

Die kanadische Literaturnobelpreisträgerin von 2013 Alice Munro erzeugt mit ihren Erzählungen berührende Momente. Sie sorgt auch in diesen zwei Bänden für Abwechslung in der Erzählperspektive, in den Orten des Geschehens sowie in welche Zeit die jeweilige Erzählung eingebettet ist. Die Geschichten von Floh und Rose wurden bereits 1978 erstmalig veröffentlicht,...