Anne ist 50. Sie ist Hausfrau, Ehefrau, Tochter – sie dient und erledigt, was andere von ihr erwarten. Ganz kurz, bevor ihr all das zu viel wird und sie sich selbst endgültig zu verlieren droht, bricht sie aus. Steigt im Auto aufs Gas und rast von der Pfalz ohne Pause...
Dunkel und kalt ist es in dem kleinen Ort an der finnischen Küste. Das Meer gefroren, der Schnee so hoch wie lange nicht. Am Dachboden über dem Kaufladen lebt Katri, eine Eigenbrötlerin, von vielen zugleich argwöhnisch beäugt wie auch geschätzt, denn Katri ist äußerst geschickt im Umgang mit Zahlen und...
Susanne Strnadl entführt in ihrem neuen Roman in eine leicht verschobene Parallelvariante Wiens. Hauptfigur Amanda hat ein konfuses Privatleben, ist aber geradlinig und überaus erfolgreich in ihrem Job als Bullshit-Dolmetscherin. Sei es bei Vertragsverhandlungen, sei es vor Gericht, wer es sich leisten kann, engagiert eineN DolmetscherIn, die/der das Blabla der...
Inwieweit stimmt Erinnerung mit der Realität überein? Sechzehn Jahre ohne Japan. Mit einem französischen Fernsehteam im Schlepp macht sich Amélie Nothomb auf den Weg zurück an die Orte, die nach Kindsein schmecken. Das große Beben von Kobe 1995 hat kaum etwas unbeschadet gelassen. In den Begegnungen mit dem wenigen kaum...
Es ist ein kurzer Roman, der in einer Stunde ausgelesen ist. Er ist aber so intensiv, dass mindestens eine weitere Stunde eingerechnet werden muss, um ihn zu verkraften. Die Handlung wäre rasch erklärt, doch die Spannung lebt davon, wie sich die Geschehnisse entwickeln bis zum fürchterlichen Ende. Deshalb sei nichts...
Die bestimmenden Leidenschaften in Erika de Barys hundertjährigem Leben waren das Reisen und das Schreiben. Eine poetische Vorstellung vom Ursprünglichen zieht sie unter anderem nach Libyen, Algerien, Mali und Madagaskar. Sie veröffentlicht Reiseberichte und übersetzt die Arbeiten afrikanischer Autoren. An der jeweiligen politischen Situation, der noch herrschenden Kolonialherrschaft, den damit...
Gender hinter sich zu lassen, ist nicht einfach. Für Rae Spoon und Ivan E. Coyote war es ein langer Weg, auf dem sich beide immer wieder unzugehörig, unpassend und unerwünscht fühlen mussten. Rae ist zunächst Transgender, aber die Beschreibung vom Mann im Frauenkörper oder dem falschen Geschlecht im falschen Körper...
Nach zwei Publikationen zur Geschichte des ladinischen Dolomitentals Gröden hat Margreth Runggaldier-Mahlknecht eine von ihr so genannte „Leseedition“ des Tagebuches ihrer Urgroßmutter Filomena Brinoth-Moroder von 1914 bis 1920 herausgegeben (die Edition der gesamten Tagebücher 1879–1920 ist angekündigt). Das populär ausgerichtete Buch ist aufwändig gestaltet. Die abgedruckten Passagen sind thematisch ausgewählt...
Bereits 1976 erstmalig erschienen, hat diese Autobiografie nicht an Aktualität verloren, da sie Einsicht in ein gesellschaftliches Überwachungssystem vermittelt. Wenn es um die staatliche Kontrolle Intellektueller geht, kann die Periode der Mc-Carthy Ära in den 1950er Jahren der USA nicht ausgespart bleiben. Eindrucksvoll berichtet die amerikanische Bühnen- und Filmautorin Hellman,...
Immer seltener gelesen, aber immer noch als Ikone des Feminismus bekannt ist Simone de Beauvoir. Deren Leben, Werk und Rezeption hat Ingrid Galster erneut ein Buch gewidmet, das Widersprüche und Faszination rund um die vielleicht berühmteste französische Intellektuelle ausleuchtet. Die Romanistin führt unterschiedlichste Stränge des Schreibens von Beauvoir selbst mit...